Manga Review: Adekan 1

Meine Damen und Herren: Ein Manga-Review.
Kennt ihr nicht? Macht nichts, erklär ich euch…wann anders

animepaper.net_picture_standard_anime_adekan_adekan_picture_238046_noyuki_preview-042de899Heute geht es nämlich um: Adekan Band 1
Warum den? Weil man an den von meinem Sitzplatz am besten rankommt.

Inhalt:
Bei Adekan haben wir einen etwas untypischen Manga aus der Mystery-Szene, der sehr historisch-nostalgisch daherkommt.
Im ersten Band sind 4 Kurzgeschichten enthalten, die (wie nicht unüblich bei ersten Bänden) die Charaktere und die Handlung einführen. Jede Geschichte beginnt mit dem Auftauchen eines mysteriösen Kriminalfalles und dessen Bearbeitung durch Protagonist Nr. 1, Polizist Kojiro Yamada (oder auch “Wachtmeister”, wie die Übersetzer in Historie schwelgen).
Ähnlich aufgebaut wird das auch die anschließenden Bände nach dem typischen Folgenschema so weiter gehen (Möchte da jemand einen Anime?).
Geschichte Nummero Uno oder auch “Die Hochzeitsbrücke” startet gleich mit vollem Elan in der Szenerie des vermutlich frühen 18. Jahrhunderts in Japan, prägt ein tragisch, makaberes Abbild und stört allemal durch gelegentliche Yaoi-Fanservice-Szenen.
Wem’s gefällt, wird hier seine Freude finden; wem nicht, kann es ohne Probleme mit dem beigespielten Humor überstehen.
Hier kommt nämlich der eigentliche Protagonist (Nr. 2, ich geh da chronologisch vor), Schirmmacher Shiro Yashiwara voll zur Geltung, der sich, wenn er nicht gerade total badass böse Typen mit Messern (oder wahlweise auch Schirmen) ersticht überwältigt, durch Mangel an Kleidung und Schamgefühl auszeichnet. Für mich als Todfeind des dümmlich-tollpatschigen Dekofanservice-Girls, ein interessanter männlicher Konterpart. Also für die weiblichen (oder auch männlichen, man weiß ja nie…) Otaku, die sich für androgyne Schirmmacher interessieren  allein dafür einen Blick wert. Mein Typ ist das ja nicht, aber wem’s gefällt.
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Ganz klar zu erwähnen bleibt aber, dass sich Adekan mit all seinem Yaoi-Fanservicegetue selbst nicht wirklich ernst nimmt und auch häufig durchaus durch den einhergehenden Humor unterhalten kann. In Band 1 bleibt diesbezüglich alles noch auf platonischer Ebene und ist mit Hinblick auf Band 5 steigerungsfähig.
Generell wechselt sich der Humor mit einer nicht zu missachtenden Steigerung auf eine sehr eigene Art mit den tragisch, traurigen Szenen ab. Dabei kommt dem Manga auch klar das Setting zugute, das durch träumerisch detaillierte Gewänder, häufig Kimono oder Uniformen der damaligen Zeit, künstlerische Hintergründe und Gegenstände zu überzeugen weiß.
Die dritte Geschichte leitet dann die Hauptstory um Shiros düüüstere Vergangenheit ein, wie sie Protagonisten seines Formats gerne mal haben.
Die Geschichten lassen sich unabhängig voneinader lesen und lassen sich nur durch die voranschreitende Intimitäten der Protagonisten chronologisch sortieren. Zu den Fällen selbst lässt sich sagen, dass hierbei das Design der Charaktere durchaus zu überzeugen weiß und (was man selten hat) die Motive und Züge nachvollziehbar und doch recht plausibel sind. Auch die furchtbar grausamen Taten der Mörder, die sich wie auch die humorvollen Einlagen mit jeder Geschichte noch zu steigern wissen, werden bei der Auflösung elegant aufgedröselt, sodass man durchaus die Möglichkeit hat, mitzurätseln.

Charaktere:

Protagonist 1: Polizist Ich-hab-den-Namen-schon-wieder-vergessen:
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Ein kräftiger Stereotyp, der hier wohl den aktiven Part haben soll, auch wenn er den storytechnisch selten gibt und auch sonst wenig zur Geltung kommt.

Protagonist 2: Shiro der Schirmmacher
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Wegen dem wohl die meisten den Manga lesen oder auch nicht lesen, da die ganze(n) Geschichte(n) auf ihn und sein “einnehmendes” Wesen bauen. Er kommt recht androgyn daher und deutet meiner Meinung nach auf einen Fetisch der Zeichnerin hin. Kindlich naiv im ständigen Wechsel mit teuflisch kalt, also ein männlicher Moe-Yandere-Chara. Der braucht eine eigene Kategorie…

Antagonist: Shiros was-auch-immer-Bruder? Anri:tsukiji nao adekan anri yoshiwara anime
Ähnlich wie Shiro recht androgyn und schamlos, aber auf eine weniger kindliche, mehr sommersprossig und ätzend heitere Art. Er tritt erst gegen Ende auf und leitet Shiros düüüstere Vergangenheit ein. Natürlich ist auch er total badass im Kampf und wird später wohl so etwas wie der Entgegner sein.

Unwichtige Nebencharas:

Schwester vom Polizisten:
(So unwichtig, dass man zu ihr nicht mal Bilder findet)
Kleine Schwesterchara, der für sein Genreklischee recht vornehm und erwachsen daherkommt. Ansonsten wenig Beitrag zum Storygeschehen, was dann sogar wieder typisch ist.

Anderer Polizist Nr. 1 und wohl irgendwie so ein Kindheitsfreund:

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Er hat eine eigene Geschichte mit Protagonist Nr. 1 und ist ansonsten nur Beiwerk.

Polizeioberwachtmeister:
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Lassen Protagonist Nr. 1 und seinen Kindheitsfreund die Arbeit machen und sind ansonsten nett designtes Hintergrundmaterial, das in den späteren Bänden wieder aufgegriffen wird.

Mörder und Opfer der Geschichten:
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Kommen und Gehen und sind interessant anzusehen.

Artwork:

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Tsukiji Nao ist eine Künstlerin, die ich persönlich für ihr Detailreichtum sehr bewundere. Der Sinn für Proportionen, Falten und künstlerische Inszenierungen sucht in diesem Feld wirklich ihresgleichen.
Ihre Manga gleichen in ihrer Detailverliebtheit alten Gemälden und heben sich klar vom Zeichenmainstream ab. Man verweilt häufig länger auf einer Seite einfach, weil sie so überladen an Kleinigkeiten sind, die man erst beim x-ten Hingucken richtig würdigen kann.
Auch wenn man die Geschichten schon kennt, ist das ein guter Grund wieder darin zu blättern.
Für ein Artbook von ihr zahlt man auch ohne Grund nicht gerade wenig.
Allein deswegen plädiere ich an dieser Stelle für einen Kunstbonus in der Gesamtwertung.

Genrewertung:
Mystery und ich denke mal Shounen Ai auch wenn sich das seltsamerweise keiner so recht auszusprechen wagt

Das Mystery-Genre kommt in den skurill bis tragischen Horroszenarien gut zur Geltung, ist für Kenner allenfalls vorhersehbar, dann aber immer noch spannend; demnach im Bereich Mystery: 3 von 5 androgynen Schmetterlingen

Auch mit Shounen Ai wird wie erwähnt nicht gespart. Adekan 1 schafft allerdings die Gradwanderung des Erträglichen mit seinem individuellen Sinn für Humor, also 3 von 5 unbekleideten Schirmmachern.

Allgemeine Wertung:
Adekan konnte gut unterhalten, war spannend, wenn auch etwas unübersichtlich zu lesen, hatte wundervolles Artwork, teils lustigen Fanservice, leicht nervige Hauptcharaktere und erhält von mir demnach eine phänomenal hohe Wertung:

Wertung

Mal sehen an was für Manga, ich von hier aus noch rankomme ohne Aufzustehen…

 

5 Gedanken zu “Manga Review: Adekan 1

  1. Also ich kann mich dir nur anschließen, diese durch und durch ausgearbeiteten Zeichnungen sind einfach wundervoll.

    Die Geschichte an sich finde ich auch gut. Wirklich klischeehaft aber sehr unterhaltsam. Doch ich finde, dass alles etwas zu langsam vorangeht – in Sachen Geschichte.

    Es sind natürlich die Krimis die unterhalten sollen aber ich will Geschichte und keine Krimi-Detektiv-Conan-abklatsch-Sache.

    Zu den Charakteren – ich finde diese alle sehr gut ausgearbeitet. Natürlich ist Anri nicht gerade der Sympathieträger eigentlich genau das Gegenteil, Shiro extrem merkwürdig ist und man nicht weis -was er ist? -was er denkt? – usw. und noch unsere smarter, netter, hilfsbereiter und gutaussehender Polizist Koichi aber genau das mag ich:
    Diese verschiedenen Gradwandlungen zwischen Story und Charakteren, diese kompletten gegensetzte, auch in der Genre Wahl… Das diese alle absolut nicht zusammenpassen und alles aber dennoch Spaß macht und irgendwie hin haut.

  2. @Lizak:

    “Die Geschichte an sich finde ich auch gut. Wirklich klischeehaft aber sehr unterhaltsam. Doch ich finde, dass alles etwas zu langsam vorangeht – in Sachen Geschichte.”
    Tja, wie das bei Geschichten, die möglichst viele Bände lang dauern sollen häufig der Fall ist.

    “Es sind natürlich die Krimis die unterhalten sollen aber ich will Geschichte und keine Krimi-Detektiv-Conan-abklatsch-Sache.”
    Ja, der Fluch des Mystery. Daran versagen die meisten und werden bestenfalls zum Abklatsch.

    “Natürlich ist Anri nicht gerade der Sympathieträger eigentlich genau das Gegenteil,…”
    Dafür ist er in der Cosplayszene doch recht beliebt.

    “…Shiro extrem merkwürdig ist und man nicht weis -was er ist? -was er denkt? – usw.”
    Ich glaube das will man häufig auch gar nicht so genau wissen.

    “… und noch unsere smarter, netter, hilfsbereiter und gutaussehender Polizist Koichi”
    Der neben Shiro aber relativ wenig zeigen kann, was er drauf hat und deswegen immer recht blass wirkt.

    “Diese verschiedenen Gradwandlungen zwischen Story und Charakteren, diese kompletten gegensetzte, auch in der Genre Wahl… Das diese alle absolut nicht zusammenpassen und alles aber dennoch Spaß macht und irgendwie hin haut.”
    Das Tatort-Schema: Gegensätze sorgen für Konfliktpotential und das sehen die Leute gern. Ohne Konflikt keine Entwicklung und keine Spannung.
    Den roten Faden behalten sie ja bei und solange es nicht zu wirr wird, wird dieses Konzept sicher noch weiter gut funktionieren.

  3. @Luna
    “Dafür ist er in der Cosplayszene doch recht beliebt.”
    Haha. Ja das stimmt.
    Letztes Jahr war ich auf der Connichi und da haben auch zwei beim Cosplay-Wettbewerb Anri und Shiro aufgeführt… da ist doch tatsächlich die Hose vom Anri (Mädchen) gerissen. Haha. Das war schon sehr lustig.

    “Ich glaube das will man häufig auch gar nicht so genau wissen.”
    Doch…Doch. Ich will das wirklich wissen.

  4. @Lizak

    “Letztes Jahr war ich auf der Connichi und da haben auch zwei beim Cosplay-Wettbewerb Anri und Shiro aufgeführt… da ist doch tatsächlich die Hose vom Anri (Mädchen) gerissen. Haha. Das war schon sehr lustig.”
    Witzig, da wär ich gern dabei gewesen. Überrascht einen bei diesen Hosen aber auch nicht sonderlich…

    “Doch…Doch. Ich will das wirklich wissen.”
    Das ist vermutlich der Effekt, den sein Gehabe haben soll ^^’

  5. Nein bei den Hosen brauch man wirklich nicht überrasch sein. Bei manchen denkt man sich ‘Oh sehr gute Handarbeit’ Und andere ‘Oh schön gekauft’

    Nein das Gehabe find ich leicht nervig. Mich interessiert wirklich der Charakter Shiro.

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