Wie gut ist Paranoia Agent?



Wisst ihr, Paranoia Agent ist wirklich eine ganz besonders interessante Serie. Sie wurde mir damals empfohlen mit der Aussage, dass sie teilweise schwer zu verstehen sein soll und viele von ihr verwirrt würden. Also schaute ich sie mir an und wurde eigentlich ziemlich wenig von ihr verwirrt, dafür aber durchweg gut unterhalten. Ich meine die Serie fesselt einen wirklich von der ersten bis zur letzten Minute. Jedoch nicht auf die Art, wie man es vielleicht zuerst erwarten würde. Paranoia Agent ist kein Death Note oder Code Geass, was einen mit einer durchgehend spannenden Handlung oder Massenweise Wendungen an sich bindet. Es ist eher ein Konstrukt aus gut gemachten Einzelfolgen samt eines roten Faden, der sich manchmal sichtbar und manchmal unsichtbar durch das Werk zieht. Man könnte die Serie auch mit einem abstrakten Kunstwerk vergleichen. Einigen Bildern sieht man sofort an, dass die etwas Besonderes sind. Einfach weil sie schön anzusehen sind und dass was dargestellt wird, eine besondere Aussagekraft hat. Paranoia Agent wäre dann aber eher die Art von abstrakter Kunst, an der viele vorbeigehen werden, ohne überhaupt zu erkennen, was daran nun so toll sein soll. Um diese Ansicht zu bekommen habe ich übrigens einige Einträge auf Foren oder anderen Seiten mit der Meinung von Leuten zu dem Anime gelesen. Erst dachte ich nämlich eher jeder der die Serie kennt, sei sich auch darüber im Klaren, dass und warum sie überhaupt von vielen so sehr gelobt wird. Jedoch war dies überhaupt nicht der Fall und ich spreche hier jetzt nicht einfach nur von Leuten, die anderer Meinung als ich waren. Nein ich muss wirklich mal das blöde Argument bringen und sagen, dass meiner Ansicht nach sehr viele Leute die Serie gar nicht verstanden haben. Denn die Serie erklärt sich am Ende zwar schon relativ selbst, doch scheinbar reichte selbst das für viele Zuschauer nicht aus und es gab dann immer Kommentare wie: „Ja der Anfang war echt genial, aber später wurde es nur noch merkwürdig“ und praktisch jeder fand das Ende der Serie schlechtgemacht und vollkommen übertrieben. War das Ende wirklich so übertrieben? Ja das war es! Doch schlecht würde ich das trotzdem niemals nennen und wenn dann nur, wenn ich echt nicht verstanden hätte, was die Serie damit eigentlich bezwecken wollte. Natürlich werde ich in diesem Artikel dann auch noch erläutern, was die Serie aus meiner Sicht mit dem Ende darstellen wollte.

Erstmal will ich aber meine Gedanken bis hierher festhalten. Ich sehe Paranoia Agent als ein interessantes Kunstwerk an, was selbst nach außen hin schon genial ist aber noch viel besser wird, je mehr man es betrachtet. Als ich die Serie zum ersten Mal beendete, fand ich sie schon echt gut, doch jetzt nach dem zweiten Schauen weiß ich erst wie gut sie eigentlich wirklich ist. Deswegen sage ich auch gleich schon mal vorweg für Leute die das Anime bisher nur einmal gesehen haben, macht euch nichts draus, wenn ihr die Genialität einiger Szenen damals nicht erkannt habt. Das habe ich nämlich auch erst nicht. Erst beim zweitem Mal sehen kann man bei einigen Stellen erkennen, wie gut die Serie eigentlich wirklich ist. Trotzdem kann aber auch so schon jeder verstehen, was die Serie überhaupt aussagen möchte und seine Qualität erleben. Der Rewatch ist dann eher so eine Art Bonus, wo man das Spiel erneut mit seinen Skills vom vorigen Spielstand spielt und alles gleich noch viel mehr awesome ist, weil man dank bestimmter Skills direkt am Anfang schon an gewisse Bonusorte gelangt, die einem sonst verborgen bleiben. Was halt auch gleich wieder dafür spricht, wie gut die Serie ist. Man muss nicht mal alles komplett durchschauen oder verstehen, um die Serie gut zu finden oder damit sie einen unterhält. Man könnte sie auch einfach ansehen, ohne groß darüber nachzudenken und würde trotzdem eine geniale Serie gesehen haben. Wenn man dann aber wirklich Lust dazu hat sich noch mehr damit zu beschäftigen, findet man immer mehr geniale Sachen darüber hinaus und ich wette auch ich habe noch nicht alles mitbekommen.

So und für Leser die den Anime noch nicht kennen, sollte hier jetzt erstmal Schluss sein. Ich habe mir jetzt sogar extra erlaubt schon zu Beginn so eine Art Fazit zum Anime zu ziehen, damit der Artikel für jeden relevant bleibt. Natürlich muss ich aber auch noch mehr ins Detail gehen und jeder der noch plant den Anime zu sehen, sollte sich dabei nicht spoilern lassen. Von daher hier also besser abbrechen und erstmal die Serie anschauen. Ich sollte wohl schon dargelegt haben, dass es sich auf jeden Fall lohnt die Serie zu sehen. Wenn ihr dann damit durch seid, kommt zurück und lest den Rest und beteiligt euch vielleicht in Form eines Kommentares. Solltet ihr noch nicht genug Anreiz haben, könnt ich ja auch gerne noch bis runter zum eigentlichen Fazit scrollen, doch alles andere würde ich euch nicht mehr empfehlen zu lesen.

Fange ich nun also an etwas mehr ins Detail bei der Serie zu gehen, beginnend mit den Charakteren. Diese lassen sich sehr einfach in Main- und Nebencharaktere gliedern. Wobei Nebencharaktere immer nur in einer einzelnen Episode wirklich eine Rolle spielen und nur die Mains wirklich öfters auftauchen. Was wirklich eine ungewohnte Herangehensweise ist. Besonders deswegen, weil die Serie eben nicht so aufgebaut ist, dass bestimmte Mains jede Folge mit neuen Nebencharakteren interagieren. Viel mehr sind diese Nebencharaktere in ihren eigenen Folgen die Maincharaktere, aber eben halt nur für diese eine Folge. Ich schrieb ja schon am Anfang die Serie ist mehr wie ein Gebilde aus guten Einzelfolgen. Genau das macht dann auch jeden einzelnen Charakter der Serie zu so etwas Besonderen. Denn selbst diese vermeintlichen Nebencharaktere haben teilweise mehr Persönlichkeit und Charakterisierung, als es bei vielen Maincharakteren in anderen Anime der Fall wäre. Eben weil sie in ihrer eigenen Folge die Hauptrolle spielen. Was dann auch gleich wieder perfekt wiederspiegelt, was die Serie ausdrücken möchte. Jeder Mensch ist der Protagonist seiner eigenen Geschichte, seines eigenen Lebens und genauso ist es auch mit den Nebenpersonen dieser Serie. Weswegen jeder für sich einzigartig ist und ich praktisch keinen in irgendein Klischee stecken wollte. Ich meine wirklich jeder Charakter dieser Serie, egal wie wenig Screentime er hat, ist so gut ausgearbeitet, dass man schon fast eine eigene Serie nur von ihm/ihr sehen würde wollen. Also wenn das keine Leistung ist, dann weiß ich auch nicht. Besonders auch wie schnell die Serie es auch schafft dem Zuschauer die Charaktere näher zu bringen. Immerhin haben viele nur eine Episode Screentime. Trotzdem schafft die Serie es sofort dem Leser zu zeigen, was für ein Mensch die Person ist und somit können wir auch selbst wenn der Char erst kurz vorkam, etwas auf das geben, was mit ihm passiert. Was ja sonst bei vielen Serien ein echtes Problem darstellt. Was kümmert es mich, wenn ein Random draufgeht? Eigentlich relativ wenig, da ausgedachte Personen anders als echte Menschen aus meiner Sicht nicht einfach so automatisch Mitgefühl verdienen.
Wenn ein Charakter nur existiert, damit er Onscreen sterben kann, war es aus meiner Sicht nicht mal ein wirklicher Charakter. Doch Paranoia Agent schafft es in kürzester Zeit, jeden Char interessant genug zu machen, damit man wirklich etwas darauf gibt, was mit ihm passiert. Einfach weil die Serie genau weiß, wie man Charaktere schreibt. Ich würde dabei nicht mal jeden Char als superrealistisch ansehen. Aber eben auch nicht als zu unreal, als dass man sie nicht als echte Personen wahrnehmen könnte. In genug der Charaktere konnte ich mich manchmal sogar richtig hineinversetzen, selbst wenn ihre Lebensumstände eigentlich gar nichts mit den meinen Zutun hatten. Zum Beispiel wie der eine dicke Polizist erst von der Mafia unter Druck gesetzt wurde und dann selbst zum Verbrecher wird. Man konnte seine Verzweiflung so gut nachvollziehen. Er war vielleicht nicht unbedingt der beste Mensch, aber für mich trotzdem auch kein totales Arschloch. Er war einfach verzweifelt und tat deswegen die falschen Dinge, weil es für ihn ein einfacher Ausweg war. Er ist sich aber bewusst, das was er tut eigentlich falsch ist und so verklärt er seine Realität, indem er sich mit einem Helden aus einem Manga vergleicht. Nur ist und tut er halt immer das genaue Gegenteil vom Main aus diesem Manga. Was für sich allein schon wieder total genial inszeniert war. Ich fand auch die junge Frau so genial, wie sie mit den anderen Weibern versucht über Shounen Bat zu tratschen, aber keiner ihre Geschichten glauben will. Sie guckt dann jedes Mal total traurig, weil niemand ihre Geschichten gut findet, sondern immer nur die der anderen. Sie möchte einfach auch dazugehören und dass ihre Storys gewürdigt werden. Am Ende findet sie dann ihren Mann halbtot vor und anstelle besorgt oder bestürzt zu sein, freut sie sich eigentlich total darüber und möchte am liebsten sofort alles über den Angriff erfahren. Ich weiß die Szene ist völlig übertrieben und spiegelt eher den schwarzen Humor der Macher wieder, doch trotzdem konnte man sie irgendwo schon fast verstehen. Selbst, wenn sie sich hier total irrational verhält. Weil sie will unbedingt auch endlich eine gute Story über Shounen Bat haben, um sie zu erzählen.

Tja und schon habe ich ewig nur über die Nebenpersonen geredet und noch gar nicht viel zu den eigentlichen Mains gesagt, aber wisst ihr was, was soll ich zu denen jetzt noch groß sagen? Wenn die Nebencharaktere schon so gut ausgearbeitet sind, dann sind es die Mains natürlich ebenso. Weswegen man den Unterschied eigentlich nur darin sehen kann, in wie vielen Folgen sie vorkommen. Die Maincharaktere sind nicht sehr viel interessanter oder besser gemacht als die anderen Chars, sie haben einfach nur einen längeren Handlungsablauf, der erst am Ende der Serie abgeschlossen wird. Somit kann ich also schon mal feststellen, dass alleine die Charaktere der Serie schon verdammt gut gemacht sind. Alleine darüber könnte man jetzt noch Stunden lang reden und bei jedem einzelnen aufzählen, wie gut sein Arc inszeniert wurde. Meckern kann ich hier eigentlich maximal ein wenig am Opa oder dem jüngeren Detektiv Mitsuhiro. Einfach weil die Charaktere für mich einfach zu wenig Hintergründe hatten. Passt dann vielleicht ja sogar, dass der eine dann am Ende den Platz des anderen einnimmt. Also war es dann vielleicht sogar schon eher wieder gewollt, dass genau diese beiden keinen echten Hintergrund bekommen? Das meinte ich halt mit auch mir ist sicher nicht jedes Mittel der Serie jetzt komplett aufgefallen / bewusstgeworden. In jedem Fall hat die Serie starke Charaktere, um ihre Handlung zu tragen und darüber hinaus sogar noch auf so viel mehr anzuspielen. Wie der Otaku mit seinem Raum voller Figuren der zu einer Prostituierten geht oder den herrlich überarbeitetet Anime-Produzenten oder den Typen, die gemeinsam Selbstmord begehen wollen oder oder oder.

Als nächstes möchte ich mich dann der Darstellung der Serie widmen. Was in diesem Fall neben Zeichenstil, Animationen und Musik auch ganz besonders stark den Einsatz von Stilmitteln umfasst. Als ich die Serie vor kurzem erneut schaute fiel mir erst wieder auf, wie gut Paranoia Agent eigentlich für eine 13 Episoden Serie aussieht. Ich meine wenn man Folge 1 beginnt würde man erstmal glauben einen Film oder eine OVA zu sehen, jedoch keine normal im Fernsehen gelaufene Serie. Dafür wirkt der Stil einfach zu gut und die Animationen sind zu flüssig. Ich denke das alleine gibt einem schon einen Eindruck davon, wie verdammt gut wirklich beides in der Serie ist. Weil für mich kann sie echt mit Filmen mithalten was das angeht. Auch das ganz eigenwillige Charakterdesign spricht sehr an und bietet so unglaublich viele Möglichkeiten für emotionale Gesichtsausdrücke. Ich glaube in einem anderen Zeichenstil hätte die Serie vieles von dem was sie rüberbrachte gar nicht erreichen können. Denn alleine die Mimik und die Blicke sagen hier schon so viel über die Charaktere und ihren Gefühlszustand aus. Zum Beispiel als Tsukiko zum ersten Mal davon hört, dass auch andere von Shounen Bato angegriffen wurden. Ihr Blick in dieser Szene ist einfach phänomenal gut. So richtig als hätte sie einen Geist gesehen und wüsste nun gar nicht wie sie darauf reagieren soll. Weil sie weiß ja, dass Shounen Bato nicht echt ist und hört nun das andere ihre Story aufnehmen. Solche Blicke von ihr sind dann auch wieder diese feinen kleinen easter eggs, für Leute die die Story schon kennen. Es trägt auch viel dazu bei, wie schnell die Serie es schafft Personen zu charakterisieren. Was die Serie, wie ich schon beschrieb ja auch wirklich gut kann. Denn wenn man mit einem Blick schon mehr als mit tausend Worten aussagen kann, dann kann man diese tausend Worte halt direkt einsparen. Auch die Animationen müssen hier wirklich nochmal besonders hervorgehoben werden. Besonders da sich ihr Stil im Laufe der Serie manchmal veränderte. So hatte die Folge wo die Detektive in der Fantasy Welt rumhängen einen viel Anime-mäßigeren Zeichenstil als sonst und die Animationen wirkten total anders und out of place. Damit konnte perfekt verdeutlicht werden, dass es sich hierbei um eine Vorstellung handle. Der Stil und auch die Stimmung der Folge waren komplett anders als in den Folgen zuvor und der Zeichenstil und die Animationen passten sich hierdran an. Noch übertriebener Anime-like wirkte dann das Anime innerhalb der Serie, was ich auch echt genial fand. Ich meine ein Anime was es wirklich schafft, dir den Unterschied zwischen der Realität im Anime und dem Anime im Anime aufzuzeigen, ist doch genial oder? Genauso genial wie der eigenwillige Stil meiner Lieblingsfolge mit den zwei Kerlen und dem jungen Mädchen, die Selbstmord begehen wollen.

Ich meine alleine der Gedanke an so eine Folge klingt schon krass und dann setzen sie das alles auch noch mit einem viel weniger ernsten Stil um, was einfach mal perfekt zum schwarzen Humor der Episode beiträgt. Ich meine eigentlich hätte dies eine deprimierende und traurige Folge sein können/müssen, doch stattdessen kriegen wir Slapstick mit lustigen Animationen und dazu auch noch lustige Musik. Ich habe keinen Plan wer auf diese kranke Idee kam, aber die Umsetzung war einfach nur grandios! Auch sonst passt sich die Musik immer perfekt dem Geschehen der Serie an. Ja selbst das Opening passt hier perfekt mit rein. Es ist so over the top und creepy, dass es irgendwie genau die Serie wiederspiegelt vor der es gezeigt wird. Ich bin mir sicher man könnte auch noch 100 andere Sachen aus dem Opening ableiten, doch das überlasse ich mal lieber anderen. Die Animationen und der Zeichenstil sind in meinen Augen also Top und auch der Soundtrack steht dem in kaum etwas nach. Was meinte ich nun aber mit auf Stilmittel müsste hier nochmal genau eingegangen werden? Damit meine ich in diesem Fall speziell den Einsatz von cuts. Also wie die Szenen der Serie zusammengeschnitten sind. Man kennt das ja immer mal, dass Serien sich hierbei versuchen besonders kreativ zu sein und Szenen interessant zusammenzuschneiden. Paranoia Agent vollbringt dies für mich auf einem ganz eigenen Level. Ein Maß an Genialität, welches mir meiner Ansicht nach so noch nicht untergekommen ist. Ihr denkt ich übertreibe? Ganz ehrlich ich glaube kaum, weil ich erinnere mich nicht mal an ein anderes Anime, wo ich solche Sachen für Erwähnenswert gehalten hätte. In bestimmten Folgen schneiden sie das Geschehen aus zwei Perspektiven einfach so perfekt zusammen, dass man das Gefühl hat, die beiden Charaktere würden direkt Bezug aufeinander nehmen, obwohl sie es dann doch eigentlich gar nicht tun, oder tun sie es doch? In einer anderen Folge schneiden sie das Geschehen eines Charakters so zusammen, dass es wirkt, als wäre die Person doppelt da. Also sprich bei der Lehrerin die gegen ihre andere Persönlichkeit ankämpft. Ganz ehrlich diese Szenen haben mich beim ersten wie auch beim zweiten Mal sehen einfach völlig überwältigt. Dieser Effekt wird einfach so gut umgesetzt und man muss sich immer vorstellen, wie das wohl aus einer anderen Perspektive gewirkt hätte. Also die Perspektive, die die umstehenden Leute zusehen kriegen. Wir also Zuschauer bekommen halt extra diesen genialen Zusammenschnitt, damit das Geschehene einfach noch besser auf uns wirken kann.

Ich könnte auch noch andere Sachen erwähnen und selbst zu den Dingen die ich gesagt habe gäbe es noch einiges aufzuzählen, doch will ich auch versuchen den Artikel unter 6000 Wörtern zu halten und ich glaube passende Beispiele untermauern schon was ich ausdrücken möchte. Ich glaube Paranoia Agent könnte das eine Anime sein, wo ich bei diesem speziellen Punkt absolut nichts zum Meckern finde. Der Zeichenstil und Animationen sind auf einem verdammt hohen Niveau. Viel höher, als es bei einem TV-Anime überhaupt sein müsste. Die BGMs waren zwar keine absoluten Meisterwerke, dafür aber immer passend und es gab auch einige Variationen innerhalb der Serie. Die eingesetzten Stilmittel sind in meinen Augen genial und das aus meiner Sicht beste habe ich noch nicht einmal erwähnt, da ich auf dieses lieber erst beim Storyverlauf eingehen werde. Vorher aber noch zu anderen Dingen, denn die Story möchte ich mir dieses Mal wirklich bis zum Schluss aufheben.

Denn wie steht es nun mit dem Unterhaltungswert der Serie? Eine für mich ja wirklich nie unerhebliche Frage, denn immerhin sollen Anime einen unterhalten. Ist ja schön und gut, wenn ich ewig aufzähle wie genial die Serie ist, doch unterhalten sollte sie dann auch. Schafft sie das nun aber gut? Also für mich wäre die Antwort ein ganz klares ja, jedoch ein ziemlich eigenwilliges ja. Ich erinnere mich nicht mehr so ganz an mein erstes Sehen der Serie. Ich glaube aber nicht, dass mich die Serie da ganz so stark mitreisen konnte wie jetzt beim Rewatch. Ich erwähnte ja schon wie man beim zweiten Mal auf viel mehr Sachen achten kann und man deswegen noch einen Bonus erhält. Jedoch sollte eine gute Serie so aufgebaut sein, dass dieser Bonus nicht unbedingt notwendig ist, sondern wirklich nur ein Bonus bleibt und ich denke die Serie konnte dies auch wirklich umsetzen. Ich habe die Serie ja mit Satiro zusammengeschaut, damit er sie auch mal sieht und durch seine Reaktionen konnte ich schon sehen, dass die Serie auch wenn man noch nicht den Ausgang kennt, verdammt unterhaltsam ist. Ich fand das damals sicher auch ähnlich, nur gibt es dann halt auch wieder diese Folgen, die etwas schwerer im Magen liegen. Speziell ab ¾ der Serie wo die Folgen stark vom „normalen“ Weg abweichen, wirken am Anfang etwas befremdlich. Warum auf einmal eine Folge wo Klatschweiber sich dämliche Geschichten über Shounen Bat erzählen oder die Folge wo Mitarbeiter eines Anime-Studios nach und nach den Löffel abgeben? Beim zweiten Mal schauen wirkten die Folgen sehr viel genialer, weil man da schon weiß, dass sie damit einfach zeigen sie stark sich da Phänomen Shounen Bat auf die Gesellschaft auswirkt. Was ja dann verdammt wichtig ist um das Ende zu verstehen. Also ja okay, es gibt vielleicht Folgen die beim ersten Schauen etwas merkwürdig wirken und den unterhaltungswert etwas schmälern könnten, aber ich denke mal das ist wirklich Meckern auf hohem Niveau wie man so schön sagt. Besonders wenn man dann noch bedenkt, dass die Serie selbst bei einem Rewatch noch verdammt mitreisen kann, weil man einfach auf all die kleinen Details achten kann, auf die eben auch die Macher der Serie von Anfang an geachtet haben. Weswegen es für mich vielleicht die einzige Serie ist, der ich ein ernsthaftes Rewatch-Potential Angedenken würde. Denn die Serie kann einen doppelt unterhalten und beim Zweiten Mal viel mehr Einblicke geben. Heißt also ich halte die Serie generell für sehr unterhaltsam und würde da maximal kleine Abstriche zugestehen und ganz ehrlich, jeder der was Anderes sagt, hat die Serie aus meiner Sicht wirklich nicht kapiert oder weiß einfach kein gutes Storytelling zu schätzen. Denn selbst die Folgen die auf erste Sicht wenig oder gar nichts mit der Haupthandlung zu tun haben, sind für sich alleine gut genug gemacht und könnten schon als anständige Einzel-OVAs durchgehen.

So jetzt hatten wir Charaktere, Darstellung und Unterhaltungswert. Das wirklich große Thema was jetzt noch fehlt, wäre die Story, was bei speziell dieser Serie wohl auch das aller wichtigste sein sollte. Weswegen ich es mir mal für den Schluss aufgespart habe. Denn zu Beginn sagte ich ja schon, dass ich mich echt wundern muss wie viele Leute wohl nicht verstanden haben, was die Serie eigentlich genau aussagen möchte und meinen die Handlung ergäbe an gewissen Stellen einfach gar keinen Sinn. Ebenso soll das Ende ja angeblich einfach so aus dem Nichts kommen und man könnte es gar nicht kommen sehen. Ha, also wenn ich solche Kommentare lese, muss ich mir echt an den Kopf fassen. Weil ja okay die Serie ist ein wenig ungewöhnlich und ja man muss ein wenig um die Ecke denken und ja auch ich habe mich zu Beginn etwas in die Irre führen lassen. Doch am Ende wird doch wirklich alles aufgeklärt, wie kann es denn da überhaupt noch so viele offene Fragen geben? Am besten ist ich fange ganz von vorne an.

In Folge 1 lernen wir unsere Main Tsukiko kennen. Sie ist Designerin und erfreut sich dank ihrer letzten Kreation Maromi einer wachsenden Beliebtheit. Trotzdem erwartet ihr Chef aber weitere Ergebnisse und drängt sie dazu sich einen neuen Charakter auszudenken. Dazu scheint sie aber nicht wirklich in der Lage zu sein und ist deswegen verzweifelt. Besonders da sie auch bei ihren Arbeitskollegen nicht unbedingt beliebt ist. Am Ende weiß sie nicht mehr was sie tun soll und so fügt sie sich selbst Verletzungen zu und denkt sich einen Imaginären Angreifer aus. Somit wird also Shounen Bat „geboren“. Zu diesem Zeitpunkt kann man dies als Zuschauer natürlich noch nicht wissen, aber ich erzähle die Story jetzt mal ganz bewusst aus meiner Sicht um damit zu zeigen, wie gut die Story aufgebaut ist. In Folge 2 sehen wir nun einen beliebten Schüler auf den die Beschreibung von Shounen Bat insofern zutrifft, als dass er ebenso goldene Rollschuhe trägt. Wegen dieser Ähnlichkeit wird er nun Ziel von ersten Beschuldigungen, die ihm auch wirklich schwer zu schaffen machen. Verschlimmert wird dies dann noch durch sein Verhalten, da er einen dicken Jungen beschuldigt, er hätte ihn beschuldigt Shounen Bat zu sein. Am Ende der Folge ist er dann alles andere als beliebt, was ziemlich genial in einer Szene eingefangen wird, wo er ein Bild von sich betrachtet, was dann immer mehr und mehr verunstaltet wird. Am Ende der Folge ist also auch er vollkommen verzweifelt und wünschte sich Shounen Bat würde ihn angreifen, damit jeder sehen kann, dass er in Wirklichkeit nicht Shounen Bat ist. Ebenso würde er aber auch gerne dem dicken Junge eins auswischen, den er ja für alles verantwortlich macht. Also entschließt er sich einfach selbst den Jungen umzuhauen und sich anschließen auch selbst zu verletzten, damit er am Ende sagen kann Shounen Bat hätte dies getan. In Folge 3 sehen wir nun die Nachhilfelehrerin vom Protagonisten aus Folge 2, was in der Hinsicht wichtig ist, als dass sie durch ihn direkten Kontakt mit dem Phänomen kommt. Er erzählt ihr von dem Angriff und es scheint wirklich so als hätte es seine Situation verbessert, da nun niemand mehr glaubt er sei Shounen Bat. In der Folge sehen wir also mehr von dieser Lehrerin und erfahren von ihrem Doppelleben als Prostituierte. Dieses Doppelleben führt sie jedoch nicht wirklich gewollt, da sie eine gespaltene Persönlichkeit hat. Wir sehen dann also das hin und her zwischen diesen Persönlichkeiten und wie sie es nicht schafft ihre andere Seite loszuwerden, obwohl sie doch viel lieber heiraten und ein normalen Leben führen möchte. Hier kommt es am Ende dann auch zu der genialen Szene wo sie gegen sich selber ankämpft und auch sie wünscht sich am Ende einen Angriff von Shounen Bat. Der dann auch kommt, da sie sich natürlich wieder selbst verletzt, um zu sagen, es war Shounen Bat.

In Folge 4 haben wir nun den Polizisten der sich mit der Mafia eingelassen hat und deswegen selbst zum Verbrecher wird. Natürlich weiß er von Shounen Bat, da er ihn ja eigentlich finden soll. Er flüchtet sich ständig in seine Traumwelt, wo er selbst der Held ist und er sich mit einem Helden aus einem Manga vergleicht. Um auch ein Held zu werden, fängt er am Ende der Folge den vermeintlichen Shounen Bat. Eine Szene die übrigens unfassbar lustig in Szene gesetzt ist. Ab hier wird die Story dann erst wirklich knifflig und ich verlasse den Weg des Ich-weiß-genau-was-Sache-ist und begebe mich in die Welt der Interpretation. Weil wenn Shounen Bat nicht wirklich existiert, wen hat er da dann eingefangen? Ich denke dies ist eines der großen Probleme über was viele im Nachhinein stolpern. Ich bin jedoch der Überzeugung, er hat sich einfach irgendwen gegriffen, den er durch Zufall gefunden hat und auf den die Beschreibung passen könnte. Für den Zuschauer sieht er dabei natürlich genauso aus wie der echte Angreifer. In Folge 5 gibt es nun also das Verhör des falschen Shounen Bat, was jedoch in eine völlig unerwartete Richtung abdriftet. Denn der Beschuldigte zieht die beiden verhörenden Polizisten mit sich in seine Fantasy-Welt. Was genau sollte uns das sagen? Für mich ist es einfach nur eine witzige Auslegung von dem was er ihnen erzählt. Denn scheinbar haben sie sich einen Otaku gegriffen, für den alles wie in einem Fantasy-RPG abläuft und durch seine Geschichten zieht er die Polizisten mit in seine Traumwelt hinein. Wobei den einen das dauerhaft kalt lässt und er das alles zu Recht für Blödsinn hält. Der andere hingegen versucht mitzuspielen, da er sich so Informationen erhofft. Auch die Personen aus den Folgen zuvor treten in der Fantasy-Welt wieder auf. Was einfach daran liegt, dass sie auch noch einmal zu der Sache befragt werden. In einer Szene sieht man genau dies sogar. Weswegen also klar sein sollte, was hier grad wirklich passiert. Am Ende der Folge finden die Polizisten dann den einzigen Augenzeugen des ersten Angriffes, eine alte Frau die auch in Folge 1 schon zu sehen war.

In Folge 6 wird sie nun verhört und erzählt ihnen eine ganz eigene Geschichte, die jedoch dauerhaft mit anderen Szenen überlagert wird. Weswegen es am Ende schwer zu sagen ist, was sie nun eigentlich wirklich sagt. Dies ist sehr geschickt gemacht, denn ansonsten würde der Twist schon zu stark vorweggenommen. Trotzdem sollte jedem aufmerksamen Zuschauer hier nun klarwerden, dass Shounen Bat wohl nicht wirklich existiert. Denn die alte Frau sagt, dass es keinen Angreifer gab und Tsukiko wird deswegen sogar noch einmal befragt. Aber wie gesagt, diese Infos können vielleicht etwas untergehen, da gleichzeitig noch eine andere Story abläuft. Denn wir sehen noch die Geschichte der Tochter des anderen Polizisten aus Folge 4 (Masami). Sie landet am Ende im Krankenhaus und verliert ihre Erinnerungen. In Folge 7 werden beide Handlungen fortgesetzt und der vermeintliche Täter immer weiter bedrängt, obwohl es ja schon Anzeichen dafür gibt, dass er es wohl gar nicht gewesen ist. Zum Schluss begeht er dann im Gefängnis Selbstmord und wem wird das in die Schuhe geschoben? Natürlich Shounen Bat der einfach mal durch eine Wand verschwindet. Warum die Polizisten so einen Schwachsinn erzählen sollten? Um nicht selbst als Schuldige dazustehen! Immerhin haben sie einen Unschuldigen in den Selbstmord getrieben. Was wie man später sieht aber auch Folgen hat. Der jüngere der beiden Polizisten (Mitsuhiro) beginnt nun damit dauerhaft vor seinem eigenen Radiosender zu hocken und Leuten Angst vor Shounen Bat zu machen. Er erklärt allen es wäre kein Selbstmord gewesen, sondern das Werk von Shounen Bat. Denn er will sich natürlich nicht eingestehen, dass er am Tod eines Unschuldigen beteiligt war. Womit er dann übrigens auch zum Paranoia Agent wird. Ab hier beginnen nun also die „seltsamen“ Episoden. Erst der lustige Selbstmordclub, dann die Klatschweiber mit ihren komischen Geschichten in denen Shounen Bat für alle Probleme der Welt verantwortlich gemacht wird und die Folge wo Shounen Bat ein ganzes Anime-Studio auslöscht. Was diese Folgen für seinen Sinn haben? Zum einen sollen sie unterhalten, was sie auch taten. Zum anderen sollen wir sehen wie krass die Paranoia rund um Shounen Bat schon fortgeschritten in der Gesellschaft ist. Denn jeder macht ihn für alles verantwortlich. Dies ist ein wichtiger Punkt, wenn man das Ende der Serie verstehen möchte. Ebenso wird auch der Hype um Maromi immer weiter hervorgehoben.

Folge 11 setzt dann wieder mehr die Mainhandlung fort, mit der Frau vom dauerhaft skeptisch gewesen Polizisten Keiichi. Sie verbringt die Folge damit vor Shounen Bat zu sitzen und ihm ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Und glaubt es oder nicht, aber für mich ist dies die absolut beste Folge der gesamten Serie. Warum genau dazu komme ich später noch. Erstmal ist wichtig, dass uns diese Folge nochmal ganz genau zeigt, dass Shounen Bat nur eine Idee ist. Er ist die Verkörperung davon, sich seinen Problemen zu ergeben. Denn die Frau ist immer mal kurz davor das gleiche zu tun und Shounen Bat damit sozusagen zu gestatten, zuzuschlagen. Doch hält sie ihn mit ihren Worten immer wieder davon ab, bis sie sich am Ende dazu entscheidet, eine Lebenswichtige Operation durchführen zu lassen. Zwischendurch sehen wir auch was ihr Mann inzwischen treibt. Bei der Polizei ist er nach dem Selbstmord im Gefängnis rausgeflogen und er arbeitet nun als Aufpasser auf einer Baustelle. Witzigerweise mit einem ehemaligen Verbrecher zusammen den er früher mal gefasst hatte. Was bestimmt auch schon wieder seine ganz eigene Symbolik für sich selbst ist. In den letzten zwei Folgen spitzt sich der Konflikt nun also immer weiter zu, bis zum großen Finale was dann niemand so wirklich verstehen konnte. Wieso aber nicht? Ganz einfach wegen der Darstellung dieses Finales. Ich meine Mitsuhiro kämpft hier mit seinem legendären Schwert gegen den inzwischen übermächtig gewordenen Shounen Bat, Keiichi flüchtet sich in seine eigene Traumwelt der guten alten Zeiten, das Maskottchen Maromi wird immer mehr ein selbst handelnder Charakter und am Ende versinkt die ganze Stadt in einer Flut aus Schwarzer Materie. In der letzten Szene hören wir dann sogar davon, wie die Stadt erst einmal wiederaufgebaut werden muss. Heißt am Ende muss wirklich irgendetwas schlimmes in der Stadt passiert sein. Nur das was wir gesehen haben war ja nicht real oder? Nein das war es nicht! Alles was wir in den letzten Folgen sehen ist eine Metapher und mit diesem Stichwort schwenke ich dann mal rüber zur Bonusrunde:

Big Scenes
Wer meinen Blog schon länger verfolgt dem sollte dies ein Begriff sein. Wenn ich Anime bewerte würdige ich wenn vorhanden am Ende immer noch spezielle Big Scenes, die aus meiner Sicht etwas ganz Besonderes waren. Also besonders in Bezug auf alles, was ich bisher überhaupt gesehen habe. Ich habe lange überlegt ob solche Szenen in Paranoia Agent existieren und eigentlich wollte ich erst sagen nein. Denn für mich ist die Serie eher gleichbleibend gut und selbst meine Lieblingsstellen würde ich nicht ganz den Titel Big Scene geben wollen. Am ehesten hatte ich noch bei der Szene ganz am Ende überlegt wo Tsukiko auf ihr Vergangenheits-Ich trifft, die gerade ihren Hund Maromi verloren hat und dabei ist, den Ur-Shounen-Bat zu erschaffen. Wie sie dann hingeht, um ihren toten Hund im Arm zu halten und wie der Schatten von Shounen Bat sich dann verabschiedet, fand ich schon verdammt stark als Szene. Trotzdem fand ich sie im Nachhinein dann doch etwas kurz um dafür die gesamte Serie extra besser zu bewerten. Jedoch fand ich eine andere Stelle, wo das anders ist und diese Szene hat auch sehr viel mit der Aussage der Serie als Ganzes zu tun. Nämlich die schon erwähnte Folge 11 wo die Frau Shounen Bat gegenübersitzt. Denn wie ich eben schon sagte ist die Geschichte rund um Shounen Bat ja eigentlich eine Metapher die dem Zuschauer aufgetischt wird. Eine Sache mit der wie es scheint sehr viele Leute nicht umzugehen wissen. Was wohl auch der Grund dafür ist, warum eine Serie wie Umineko sich nicht gerade großer Beliebtheit erfreut. Denn es gibt wohl kein Anime, was Shounen Bat ähnlicher wäre. Auch hier kriegen wir als Zuschauer teilweise ziemlich krassen Mist aufgetischt, der aber eigentlich nur über die echten Geschehnisse hinwegtäuschen soll. Beatrices Zaubertricks sind praktisch das gleiche wie der übermächtige Shounen Bat. Es existiert nicht wirklich und steht stellvertretend für etwas Anderes, was eigentlich grad wirklich passiert. Damit es jedoch unterhaltsamer wird, kriegen wir als Zuschauer irgendwelchen Kram zusehen, der gerade uns als Anime-Fan ansprechen soll. In Umineko waren es krasse Kämpfe und Morde mit Hexen und Dämonen und hier ist es ein Schwertkampf gegen Shounen Bat, ein Abstecher in eine Fantasy-Welt oder aber ein riesiger Maromi der seine Erschafferin beschützen will. All dies dient nur der Unterhaltung, passiert aber nicht wirklich. Ist genau das gleiche, wie wenn man wie ich aktuell Faust für die Schule liest. Da steht auch nicht einfach drin er geht dahin und tut dies und das soll diese Aussage haben. Alles ist in Metaphern gepackt. Meistens muss man die Sätze im Nachhinein erstmal noch entschlüsseln, um den Inhalt zu kapieren. Genau das tun auch Serien wie Umineko und Paranoia Agent und letzteres klärt sogar innerhalb der Serie alles auf. Es wird schon früher gesagt, dass Tsukiko als Kind einen Hund Namens Maromi hatte und damals schon Shounen Bat als Angreifer beschrieb. In Folge 6 erfahren wir auch von einer Augenzeugin, dass es keinen Angreifer gab. Folge 11 und 12 zeigt uns den Polizisten wie er in seiner eigenen Traumwelt rumhängt, was sogar nochmal verstärkt, dass dieses Anime mit Metaphern arbeitet. Zugegeben den Schluss muss man sich etwas zusammenreimen und das der „Mythos“ um Shounen Bat und der Hype um Maromi am Ende eine Stadtweite Panik (oder was auch immer dort genau passiert sein soll) auslöste ist vielleicht ein wenig weit gegriffen, doch macht es die Serie nicht schlecht. Etwas zu übertrieben ja, aber es verdeutlicht halt sehr schön die Aussage der Serie. Nämlich wozu etwas führen kann, wenn es durch die Gesellschaft hochgeschaukelt wird. Die Szene mit der Frau und Shounen Bat ist für mich nun eben die Verkörperung der Hauptmetapher der Serie. Weswegen die Big Scene an die Metapher Shounen Bat + ihre meiner Meinung nach beste Darstellung innerhalb der Serie geht.

Es ist einfach so genial in Szene gesetzt wie wenn Shounen Bat seinen Schläger hochnehmen will und er dann durch die Worte seines vermeintlichen Opfers wieder besänftigt wird. Es verdeutlich den inneren Konflikt eines Menschen der sein Leben noch einmal genau durchgeht. Hat sein Leben sich gelohnt und lohnt es sich weiter dafür zu kämpfen? An einigen Stellen will sie sich schon ihrer Verzweiflung ergeben und schafft es dann doch immer grad noch so sich zu fangen. Am Ende schwingt Shounen Bat sogar schon seinen Schläger über ihren Kopf hinweg und verfehlt immer nur minimal. Es zeigt wie kurz sie davor steht, aufzugeben, doch dann am Ende fällt ihr Haus um sie herum auseinander und sie sitzt auf einmal auf einer Blumenwiese. Für mich eine Anspielung darauf, wie sie ihren inneren Frieden findet. Indem sie sich der Operation stellt und nicht einfach ihr Leben aufgibt. Weshalb Shounen Bat sich geschlagen geben muss. In meinen Augen ist diese Folge einfach nur genial und eine echte Big Scene wert.

Fazit:

Ich habe nun sehr genau aufgeführt, was ich alles genial an der Serie fand und bin sogar bis ins Detail auf die Handlung eingegangen. Und während ich das tat, musste ich mir eigentlich eine Frage stellen: Ist Paranoia Agent ein perfekter Anime? Also die Art von Anime, nach dem jemand wie ich immer suche. Eine Serie, die eine volle Punktzahl verdient, weil sie einfach so perfekt ist? Wirklich zu Beginn war der Artikel gar nicht so gemeint, doch eigentlich sollte er auch keine 6000 Wörter lang werden. Jedoch konnte ich einfach nicht aufhören, all die Dinge zu erwähnen, die ich so gut an der Serie fand. Dinge, die mir selbst nicht mal richtig bewusst waren, bevor ich sie hier aufschrieb. Nun bin ich also am Schluss angelangt und muss mir die Frage stellen, was für eine Wertung verdient so ein Anime? Es mag vielleicht blöd klingen sich jetzt solch große Gedanken um so eine Kleinigkeit zu machen. Denn eine bloße Zahl am Ende eines Artikels sagt nur so viel weniger über eine Serie aus, als der Artikel an sich. Haben all diese Worte nicht viel mehr Bedeutung als eine bloße Zahl? Doch trotzdem gehört es für jemanden wie mich einfach mit dazu und über die Jahre habe ich immer versucht, so gut und konsequent wie möglich Serien zu bewerten. Also werde ich jetzt einfach mal den Versuch wagen und sehen, wie hoch solch ein Meisterwerk es in meinem System schaffen kann. Den Charakteren in der Serie würde ich in jedem Fall 9 Punkte geben, denn bis auf kleine Ausnahmen waren diese einfach verdammt gut ausgearbeitet. Zeichenstil, BGM und Animationen waren gut bis sehr gut und Stilmittel wurden meisterhaft genutzt. Das wären weitere 9 Punkte (kleine Abstriche bei BGM). Beim Unterhaltungswert wird es schwierig da einige Folgen schwierig waren, doch 8 Punkte halte ich hier nicht für übertrieben. Die Story ist von allem wohl am schwersten zu bewerten, denn sie ist zwar einerseits genial, auf der anderen Seite jedoch etwas verworren und macht am Ende nicht zu 100 % Sinn, wenn man es genau nimmt. Außerdem haben wir die ganzen episodischen Folgen die eine Beurteilung schwermachen. Weil sind dies Filler Folgen? Wenn ja dann sehr gute. Ich glaube ich würde mich hier auf 8,5 Punkte festlegen. Dazu noch ein Bonus für eine phänomenale Szene die den Grundgedanken der Serie perfekt einfängt. Außerdem sprach ich ja noch nicht einmal über die gesellschaftskritischen Tendenzen der Serie. Dinge, die heute wohl sogar noch mehr Bedeutung haben als damals, als die Serie gemacht wurde. Ich meine im Opening sehen wir die Maincharaktere währenddessen alles im Hintergrund an ihren vorbezieht und am Ende der Serie sehen wir noch wie alle an ihren Handys hängen. Die Serie zeigt wie die immer schnellere Verbreitung von Informationen unser Leben verändern und wie es uns verändern kann. Ich meine das ganze Phänomen Shounen Bat konnte sogar nur deswegen überhaupt so groß werden. Klingt das nicht erschreckend nach Themen unserer heutigen Zeit? Und das obwohl die Serie 2004 erschien. Aus all diesen Gründen kann ich also nicht anders als der Serie noch einen Bonus zu geben und lande somit auf der besten Wertung, die ich jemals auf meinem Blog an ein Anime vergeben habe, nämlich 9,5/10 Punkte.

Somit sollte also klar sein, dass Paranoia Agent für mich das ultimative musst see für jeden ist, der meint sich für gute Anime zu interessieren. Solltet ihr die Serie also noch nicht kennen, dann schaut sie und selbst wenn ihr sie kennt, schaut sie ruhig noch ein zweites Mal! Und nun bin ich sehr gespannt auf eure Kommentare hierzu.

Ach und falls nun jemand Interesse an der Serie bekommen haben sollte und plant sie sich vielleicht zu kaufen, dem lasse ich mal einen Amazon-Link da, von dessen Kauf ich dann minimal profitieren würde. Natürlich nur falls ihr es sowieso schon vorhattet.

6 Gedanken zu “Wie gut ist Paranoia Agent?

  1. Wow, die hohe Bewertung hat mich echt überrascht.

    Paranoia Agent, ein Werk, das schon seit einer Ewigkeit in meiner festen Top 5 ist. Ich könnte Romane schreiben, was dieser Anime alles richtig macht.

    Was mir auch noch aufgefallen ist, jeder Charakter hat Tiefe, sodass man mit ihm Mitleid hat, aber auch gleichzeitig negative Eigenschaften, sodass man sich mit ihm nicht wirklich identifizieren kann. So tat Ichi beispielsweise gleichzeitig wegen dem Mobbing leid, er war aber auch richtig arrogant.

    Ich glaube, ich finde den PA-Artikel doch besser als Ippo vs. Joe. Mich würde es aber von jemanden, dem ich mehr Gehör schenke, interessieren, was und warum er es besser findet.

  2. hatte ich irgendwann mahl mit meiner Mutter angefangen und nach Folge 4 oder 5 abgebrochen, habe auch überlegt ob ich mir die Bluray Gesamtausgabe von Kaze Anime hole, der Anime ist ja jetzt nicht besonders Teuer.

  3. Deine Wertung hat mich tatsächlich positiv überrascht. Ich fand es sehr schön, wie ausführlich du auf alles eingegangen bist. Das kommt sicherlich auch denen zugute, die die Serie zwar geschaut haben, aber denen etwas entgangen ist (sofern die das überhaupt durchlesen…). Schade nur, dass die Leute irgendeinen Unsinn schreiben, nur weil sie nicht ausreichend aufgepasst haben. Ich teile auch deine Ansicht zu Folge 5. Schließlich hat Shounen Bat kein “echtes” Aussehen. Die eigentlichen Angriffe haben ja in der Form auch nicht stattgefunden, sondern wurden nur als Verbildlichung für den Zuschauer eingebaut.

    Es ist wirklich beeindruckend, wie es die Serie schafft, bestimmte Dinge anzudeuten, aber trotzdem unvorhersehbar bleibt. Solch kleine Details, wie die Reaktion von Tsukiko auf die anderen Shounen Bat-Angriffe, sind schon etwas Besonderes. Ich fand die Serie insgesamt ziemlich erfrischend und mir gefiel die Idee davon, dass Shounen Bat quasi eine Manifestation der menschlichen Abgründe ist.

    An der Serie waren aber auch allgemein kompetente Leute beteiligt. Bei Episode 7 beispielsweise war Hamasaki (Texh, Shigurui) Episode Director und hat das Storyboard gezeichnet. Sein Stil ist hier wieder ziemlich gut erkennbar gewesen und er hat das deutlich aufgewertet.

    Ich stimme dir zu, dass Paranoia Agent eine der wenigen Serien ist, bei denen sich ein Rewatch tatsächlich lohnt. Daneben würde ich vielleicht noch Texhnolyze nennen wollen, weil es einfach ziemlich schwer ist, alles beim ersten Schauen zu erfassen. Das könntest du ja dann eventuell nach Monster angehen.

    Interessant ist auch die Entscheidung für das Opening/Ending von Satoshi Kon. Die Serie lief in Japan auf einem nächtlichen Sendeplatz, weswegen er sich dafür entschieden hatte, dass die Charaktere im Opening lachen. Wie jeder weiß, hält dich Lachen wach. Das Ending ist wiederum sehr ruhig und beruhigend, damit die Zuschauer nach der aufwühlenden Folge einschlafen können.

    “Dafür wirkt der Stil einfach zu gut und die Animationen sind zu flüssig. Ich denke das alleine gibt einem schon einen Eindruck davon, wie verdammt gut wirklich beides in der Serie ist. Weil für mich kann sie echt mit Filmen mithalten was das angeht.”

    Ansonsten hat Satoshi Kon auch nur Filme gemacht. Interessanterweise habe ich mal gelesen, dass Paranoia Agent aus den überschüssigen Ideen und Vorstellungen besteht, die er in seinen vorherigen Werken nicht unterbringen konnte. Das erklärt auch die zum Teil episodisch anmutende Folgenstruktur. Ergebnis: eine der besten Anime-Serien überhaupt. Grandios.

    “Klingt das nicht erschreckend nach Themen unserer heutigen Zeit? Und das obwohl die Serie 2004 erschien.”

    Hier musste ich einfach unweigerlich an Serial Experiments Lain denken. Die Serie ist von 1998 und hatte eine beeindruckende Zukunftsvision zu vernetzten Welten, also dem Internet, gezeichnet. Ich finde, besonders der Anfang ist von der Stimmung her vergleichbar mit PA, auch wenn die Serie insgesamt nicht ganz so stark ist.

  4. @ TheZ0ldyck
    “Wow, die hohe Bewertung hat mich echt überrascht.”
    Tja das passiert halt wenn ich nichts zum meckern finde.

    “Ich könnte Romane schreiben, was dieser Anime alles richtig macht.”
    Ja das glaube ich dir, weil mir geht es genauso.

    “Ich glaube, ich finde den PA-Artikel doch besser als Ippo vs. Joe. Mich würde es aber von jemanden, dem ich mehr Gehör schenke, interessieren, was und warum er es besser findet.”
    Tja mal sehen wann ich den Artikel fertig bekomme.

    @ ArkAngel41
    “habe auch überlegt ob ich mir die Bluray Gesamtausgabe von Kaze Anime hole, der Anime ist ja jetzt nicht besonders Teuer.”
    Wäre doch ne Gelegenheit die Serie dann nochmal auf Bluray zu sehen. Lohnen würde es sich auf jeden Fall, wenn der Preis gut ist.

    @ Raki
    “Deine Wertung hat mich tatsächlich positiv überrascht. Ich fand es sehr schön, wie ausführlich du auf alles eingegangen bist.”
    Ja um so eine Wertung zu rechtfertigen musste/wollte ich das auch.

    “Das kommt sicherlich auch denen zugute, die die Serie zwar geschaut haben, aber denen etwas entgangen ist ”
    Für solche Leute wollte ich auch die Möglichkeit bieten, nachzuvollziehen, was nun wirklich passiert ist. Halt auch damit es mehr als eine bloße Empfehlung ist.

    “Ich fand die Serie insgesamt ziemlich erfrischend und mir gefiel die Idee davon, dass Shounen Bat quasi eine Manifestation der menschlichen Abgründe ist.”
    Ja besonders da Anime-Fans es halt gewöhnt sind, dass jegliche Form von übernatürlichen Sachen einfach so in Serien existiert. Die Serie baut ja sogar genau auf diese Erwartungen auf und liefert am Ende extra noch eine totale Parody davon ab. Weil man erwartet einfach so einen epischen Fight zwischen Gut und Böse und bekommt das dann auch geliefert, selbst wenn es ja eigentlich gar keinen Sinn macht. Sowas nenne ich einfach mal genial gemachten Meta-Humor.
    Deswegen sieht man dann auch die eigentlich offensichtlich scheinende Auflösung nicht kommen.

    “Daneben würde ich vielleicht noch Texhnolyze nennen wollen, weil es einfach ziemlich schwer ist, alles beim ersten Schauen zu erfassen. Das könntest du ja dann eventuell nach Monster angehen.”
    Ja die Serie muss irgendwann auch noch sein.

    “Wie jeder weiß, hält dich Lachen wach. Das Ending ist wiederum sehr ruhig und beruhigend, damit die Zuschauer nach der aufwühlenden Folge einschlafen können.”
    Ich dachte mir ja schon, dass man aus dem Opening sicher noch alles mögliche herausziehen könnte. Aber wow, die Erklärung ist doch auch mal was.

    “Ansonsten hat Satoshi Kon auch nur Filme gemacht.”
    Das wundert mich wirklich nicht. Weil die Serie sieht ja dauerhaft aus wie ein Movie.

    “Interessanterweise habe ich mal gelesen, dass Paranoia Agent aus den überschüssigen Ideen und Vorstellungen besteht, die er in seinen vorherigen Werken nicht unterbringen konnte. Das erklärt auch die zum Teil episodisch anmutende Folgenstruktur.”
    Ja das würde wirklich Sinn machen. Weil die Episoden für sich sind eigentlich viel zu gut für “Filler”-Episoden.

    “Hier musste ich einfach unweigerlich an Serial Experiments Lain denken.”
    Noch so eine Serie, die ich unbedingt noch sehen wollte. Selbst wenn sie kein Paranoia Agent sein sollte.

  5. “Hier musste ich einfach unweigerlich an Serial Experiments Lain denken.”
    Noch so eine Serie, die ich unbedingt noch sehen wollte. Selbst wenn sie kein Paranoia Agent sein sollte.

    Schau dir Lain auf jedenfall an aber im Deutschen Ton, da gibt es eine Stelle im Anime die kommt so Awesome auf Deutsch rüber, der Anime ist mein Persönliches Neon Genesis Evangelion, weil ich halt Neon Genesis Evangelion überhaupt nicht abkann, aber Lain finde ich Total Awesome.

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