Memes als modernes Kommunikationsmittel


Ich muss euch heute allen ein Geständnis machen. Ich mag Memes und ganz besonders Anime Memes. Ich weiß ich weiß wie kann ich nur, aber ich finde die aktuelle Entwicklung von Memes im Internet wirklich ziemlich spannend und ganz besonders interessant, wie sie langsam auch ins “normale” Leben Einzug halten. Ich bin der Ansicht die Beliebtheit und große Verbreitung von Memes sagt viel über unsere moderne Gesellschaft aus, gewährt faszinierende Einblicke in die Psyche der Gesellschaft und sind ein Spiegelbild der menschlichen Existenz. (Außerdem finde ich sie witzig) Und ja ich weiß hier spricht grad einfach der Soziologe und Hobbypsychologe aus mir, doch lasst mich versuchen zu erklären, was ich damit eigentlich meine.

Meine ersten Erfahrungen mit Memes 

Ich bin heute nicht hier, um euch eine Geschichtsstunde über die Entwicklung von Memes zu geben, jedoch will ich kurz auf meine persönliche Geschichte damit eingehen. Den ersten Kontakt mit einem “modernen” Meme, woran ich mich erinnern kann, ist das “my Body is ready” Meme.

 

 

 

 

 

 

 

Eine Zeitlang sah ich dieses Bild überall im Internet und ich habe es gehasst. Ich wusste einfach niemals, was Leute damit überhaupt aussagen wollen oder wo der Witz daran sein soll. Um ehrlich zu sein ich verstehe es auch bis heute noch nicht. Dann gab es aber dieses andere Meme mit den 4 Typen die erst gelangweilt dasitzen und dann total hyped sind. Der Unterschied zum ersten Meme war dieses war eines wo man seinen eigenen Kontext mit einfügen konnte und darum entstanden damit dann auch echte Jokes, die man je nach Kontext lustig finden konnte. Ich werde nie vergessen, wie ich mal auf einer Website war, die einfach nur voll mit Versionen von diesem einen Meme waren und ich fand es so verdammt witzig und kreativ, was Leute damit hinbekamen. Es war für mich praktisch das Einstiegsmeme und selbst heute werden immer wieder neue Versionen davon gemacht oder es wird in Games oder Serien referenziert.

Memes werden Mainstream 

Seit dieser Zeit hat sich viel getan und immer mehr Dinge wurden zu Memes. Lange Zeit war es für mich aber wirklich nur ein Internetding, was in der realen Welt nicht wirklich existierte. Doch vor einigen Jahren fingen Memes dann an auch dort aufzutauchen. Ich glaube das erste Mal, wo es mir wirklich auffiel, war an der Uni. Ich musste mitten in der Covid Pandemie studieren und deswegen bekamen wir unsere Vorlesungen dann immer als Power Point Präsentationen zum runterladen. Ich werde nie vergessen, wie auf der einen dann auf der letzten Seite das Simpsons Meme war, wo Homer in der Hecke verschwindet. Das war wirklich so ein Moment wo ich erst richtig realisierte, wie verbreitet diese Sachen schon in der Gesellschaft waren. Inzwischen ist das schon nicht mal mehr eine große Sache für mich und ich halte es einfach für normal. Bestes Beispiel dafür wie normalisiert die Benutzung von Memes schon ist, ist dieser Aufkleber, der seit einiger Zeit auf meinem Müllcontainer klebt. Und nein ich habe den da nicht hingemacht, sondern irgendwer anders aus dem Haus muss das gemacht haben.  

Was sind Memes überhaupt? 

Jetzt habe ich schon eine Zeitlang über Memes geredet ohne sie wirklich zu definieren. Ich werde jetzt aber nicht einfach abtippen was das Internet dazu sagt, sondern sagen was Memes für mich sind, denn nur das ist hier relevant. Erst einmal sind Memes für mich Bilder/Videos und/oder Phrasen, die immer wieder in verschiedenen Kontexten benutzt werden und irgendwo ihren Ursprung haben. Dabei existieren keine festen Regeln was ein Meme werden kann und was nicht. Das Internet entscheidet einfach darüber, indem es viel verwendet wird oder auch nicht.  Hauptsächlich geht es aber darum sie sollen lustig sein. Hierbei unterscheide ich persönlich zwischen 2 Arten von Memes. Zum einen die “Reaktion-Memes” und zum anderen die “Kontextualisierung-Memes”.  

Weiter oben hatte ich auch schon für beide jeweils ein Beispiel gebracht, aber ich kann auch gerne weitere geben. Reaktionsmemes wären Dinge wie “I’ts over 9000!!!” oder auch “Shut up and take my money!”. Diese Memes besitzen auch passende Bilder/Gifs aus den entsprechenden Serien, doch sind sie nicht notwendig um das Meme anzuwenden. Die Phrase alleine kann schon als Meme verwendet werden und praktisch jeder weiß dann was damit gemeint ist. Diese Phrasen oder Bilder werden wie der Name schon sagt als Reaktion zu etwas verwendet. Wenn man ein Video Game spielt und ein Charakter über 9000 HP hat dann kann man z.B. damit reagieren. Oder wenn man etwas sieht das man unbedingt haben will, ganz egal wie hoch der Preis ist, kann man so darauf antworten.  

Kontextualisierungsmemes können hingegen nur existieren wenn ein Kontext gegeben wird. Sie allein sind noch kein Witz für sich selbst und sie können auch nicht einfach als Reaktion zu etwas wiedergeben werden. Sie können außerdem nur als Bild gezeigt und nicht verbal benutzt werden. Ein Beispiel dafür speziell aus dem Anime Bereich wäre diese Memevorlage:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von allein gibt es hier noch keinen wirklichen Joke. Dieser entsteht erst wenn passender Kontext in die Zeilen eingefügt wird. Jedes Kontextualisierungsmemes funktioniert nach diesem Prinzip, wobei es sehr unterschiedlich sein kann wohin der Kontext auf der Vorlage gesetzt werden muss. Und ja ich weiß man könnte hier jetzt auch sagen es sei ein Reaktionsmeme, da der Anime Charakter auf der Vorlage für einen auf etwas reagiert. Trotzdem kann es aber eben nicht als Phrase oder einfach so zu seiner Sache gepostet werden. Diese Memes verlangen deshalb auch immer mehr Arbeit, sind meiner Ansicht nach aber trotzdem weiter verbreitet und wohl auch das, woran Leute am ehesten denken, wenn sie Meme hören. Speziell Twitter besteht teilweise nur aus Memes mit ähnlichen Formaten.  

Warum sind Memes so beliebt? 

Meiner Ansicht nach gibt es viele Gründe dafür, dass Memes immer beliebter werden. Ich denke ein großer Faktor dafür ist, dass sie quasi das perfekte Kommunikationsmittel unserer Zeit sind. Kommunikation findet heutzutage sehr viel im Internet statt und soll meist schnell gehen. Seiten wie Twitter setzen extra auf kurze Nachrichten, denn wer will heute schon noch viel lesen oder schreiben? In dieser Hinsicht sind besonders Reaktionsmemes praktisch die Weiterentwicklung von Emojis. Manchmal will man einfach schnell auf etwas reagieren und da bietet sich so etwas dann einfach an. Ein Bild was einen Sachverhalt kontextualisiert ist außerdem ein besserer Hingucker als 10 Zeilen bloßer Text. Ich will z.B. meine Frustration über einen Sachverhalt ausdrücken? Es wird sicher die passende Memevorlage dafür geben. Ich will Dinge miteinander vergleichen? Wird ebenso die passende Vorlage dafür geben usw.  

Memes sind einfach eine flexible, schnelle und effektive Art etwas auszudrücken. Außerdem ist es für andere auch viel leichter die Informationen aufzunehmen. Effektive Kommunikation kommt nur zustande, wenn der Empfänger auch versteht, was überhaupt ausgesagt werden soll. Jeder im Internet kennt die gängigen Memevorlagen und weiß darum sofort wonach er gucken muss und allein an der Wahl des Memes kann oft schon erkannt werden, worum es geht.  

Wenn jemand diese Vorlage sieht ist auch ohne Kontext sofort klar es wird darum gehen jemand mag eine Sache nicht aber eine andere dafür schon. Man muss den Text nicht mehrfach sorgfältig lesen um zu verstehen, worum es geht. Die Information kann deswegen schnell und effektiv aufgenommen werden. Diese Art von Kommunikation ist ideal in unserer schnelllebigen digitalen Welt.  

Ein weiterer sehr wichtiger Faktor ist, dass Memes wenn man es genau nimmt Inside-Jokes sind, die das ganze Internet kapiert. Menschen lieben Inside-Jokes. Jeder findet es toll, wenn er eine gewisse Anzahl Witze hat, die jemand anders sofort kapiert, auch wenn sie nicht die typische Art von Witz sind. Ich habe Inside-Jokes mit meiner Mutter und Freunden und egal wie oft man den gleichen Witz macht, er ist auch nach Jahren manchmal immer noch komisch. Ich bin mir sicher es gibt in der Psychologie irgendeine Bezeichnung dafür, aber die kenne ich nicht. Es ist einfach eine Art von Vertrautheit, die man gerne mit anderen Menschen teilt. Als ich damals immer mit Satiro abgehangen habe, hatten wir so viele Inside-Jokes, wir hätten uns den gesamten Tag nur damit unterhalten können.  

Dank Memes kann man dies nun praktisch gesehen mit dem gesamten Internet haben und natürlich lieben Leute das. Einige haben vielleicht nicht mal so enge Freunde in ihrem Leben, womit sie ähnlich viele Inside-Jokes wie ich mit Satiro kreieren konnten. Das Internet macht es einem aber einfach alle Inside-Jokes zu lernen und schon kann man direkt dazugehören. Genau deswegen finde ich auch so interessant wie Memes jetzt langsam in der realen Welt auftreten. Davor waren das für mich einfach Internet-Inside-Jokes. Aber nun sehe ich meine Nachbarn kennen wohl die gleichen davon wie ich und nicht nur Menschen am anderen Ende der Erde.  

Und wenn ich schon bei dem Punkt bin. Memes sind natürlich auch deswegen so beliebt und verbreitet, weil sie ein globales Phänomen und universal anwendbar sind. Leute in den USA verwenden und verstehen die gleichen Memes wie Menschen aus Korea, Spanien oder Japan. Ich sehe oft genug Memes in Sprachen, die ich nicht lesen kann, aber verstehe sie manchmal dann trotzdem halbwegs einfach weil alleine an der Vorlage schon einiges zu erkennen ist. Bei Memes spielt es halt keine Rolle von wo sie herstammen und oft genug wissen Leute nicht mal vorher sie überhaupt kommen. Sie landen einfach alle in einem Topf und Leute aus jedem Land der Erde können sie dann im Internet weiterverwenden. Ansonsten können sich Nationen ja niemals auf irgend etwas einigen, aber scheinbar hat einfach jedes Land der Erde entschieden Memes sind der ideale Weg, um dumme Jokes im Internet zu machen. Sie lehren uns damit Menschen sind vielleicht doch alle gar nicht so verschieden. 

Memes als Spiegel der Gesellschaft 

Das erste Meme, was mich wirklich dazu anregte so hochtrabend über dumme Internetjokes nachzudenken, war das “Are you winning son?” Meme, welches sich vor einigen Jahren noch größter Beliebtheit erfreute. Auf den ersten Blick wirkt es einfach wie ein typisches low effort Meme, aber seine Verwendung sagt meiner Meinung nach sehr viel über unsere Gesellschaft aus. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber heutzutage scheinen alle Leute total besessen von Generationskonflikten zu sein. Angefangen hat dies meiner Meinung nach mit dem “Okay Boomer” Meme. Ich werde nie vergessen, wie wir das Meme sogar echt in einer Soziologievorlesung besprochen hatten. Ich weiß ich weiß Generationskonflikt ist ein alter Hut und gab es schon zu Zeiten der alten Griechen, aber früher habe ich nie jemand über Boomer, Millennials oder Zoomer reden hören. Heute besteht der Internetdiskurs aber stark daraus Leute in bestimmte Generations-Schubladen zu stecken. Ich glaube deswegen wurde speziell dieses Meme auch so eine große Sache, weil es perfekt den aktuellen Generationskonflikt darstellt.  

Ich bin mir nicht mal komplett sicher, was eigentlich der originale Kontext des Memes war. Ich glaube aber es ging darum der Sohn ist dabei ein Game zu spielen, was er eigentlich hasst, aber trotzdem damit weitermacht. Es wurden halt unfassbar viele verschiedene Versionen davon erschaffen und irgendwann gab es auch wirklich einen Wechsel im Kontext. Zu Beginn ging es halt irgendwie meistens darum der Sohn will einfach nur in Ruhe sein Game spielen. Später gab es dann auch Phrasen vom Sohn wie “Alles okay Dad, aber danke der Nachfrage”. Eine meiner Lieblingsversionen war dann wo der Sohn sogar aufsteht, zum Vater geht und ihn umarmt, weil er so froh darüber ist er macht sich Gedanken um ihn. Für mich war das praktisch eine komplette Entwicklung des Memes und irgendwie sehe ich es seit diesem “Ende” jetzt auch fast gar nicht mehr. Ich weiß ich deute da jetzt sicher zu viel rein und ich kann nicht beweisen, das dies genau die Reihenfolge ist, wie die Memes entstanden sind, aber ich will einfach daran glauben es war so.  

Auf mich wirkt es halt so, als hätten viele Menschen die eigenen Konflikte mit ihren Eltern auf dieses Meme projiziert und nach und nach verarbeitet. Besonders interessant ist später gab es dann auch schon das “Are you winning dad” Meme. 

Ich muss zugeben dieses Meme spricht mich persönlich dann wirklich an. Für das frühere bin ich halt eigentlich schon zu alt, weil ich alleine lebe und keine Eltern mehr habe, die zwischendurch bei mir ins Zimmer schauen. Jetzt kenne ich es eher ich schaue bei meinen Eltern rein und sehe meinen Vater wie er den ganzen Tag random AI Videos auf seinem Handy schaut. Ein wenig musste ich bei der Entwicklung dieses Memes auch an eine Karikatur aus dem Geschichtsunterricht denken. Ich weiß nicht, ob euch “Der Lotse geht von Bord” was sagt.

Jedenfalls ist das eine sehr berühmte historische Karikatur über die Abdankung von Otto von Bismarck. Auch davon entstanden im Laufe der Zeit hunderte verschiedene Versionen und am witzigsten fand ich eine Version, wo Bismarck dann wieder zurück an Bord geht und damit dann praktisch die Bedeutung umkehrt.  

Es ist also durchaus kein völlig modernes Phänomen, dass eine Gesellschaft ein bestimmtes Bild dafür verwendet, um damit seine sozialen Konflikte auszutragen. Will ich hiermit jetzt also andeuten heutige Memes wären nichts anderes als die Karikaturen der Vergangenheit und Menschen hätten das sicher schon immer gemacht? 

Gefahren von Memes 

Ich habe jetzt recht viele positive Eigenschaften von Memes aufgezählt und ich bin auch ein echter Freund von ihnen. Trotzdem möchte ich nicht ganz unterschlagen, dass ihre massenhafte Verwendung auch ihre Schattenseiten hat. Zu Beginn hatte ich gesagt Memes sind das perfekte Kommunikationsmittel im Internet, weil sie schnell und effektiv funktionieren. Diesen Umstand kann man aber auch negativ auslegen. Denn gerade wenn junge Menschen nur noch anfangen anhand von Memes miteinander im Internet zu kommunizieren, dann hilft dies ganz sicher nicht dabei ihre sozialen Fähigkeiten für die reale Welt zu stärken.  

Im echten Leben kann man nicht einfach immer nur damit durchkommen mit dummen Phrasen und schon gar nicht mit Bildern zu antworten. Mir hat das Internet damals dabei geholfen besser in Grammatik und Englisch zu werden. Hätte ich den ganzen Tag nur Memes auf Twitter ausgetauscht, wäre das sicher weniger der Fall gewesen. Ich will nicht so tun, als würde ich wirklich wissen, was die zu starke Benutzung von Memes für einen Einfluss auf Menschen haben könnte, aber ich sehe trotzdem eine Gefahr darin, dass kommunikative Fähigkeiten auf Dauer darunter leiden könnten.  

Die andere Seite sind Memes mit rassistischen oder anderweitig radikalisierenden Inhalten, dessen Verbreitung mir ein wenig Sorgen bereitet. Ich bin jetzt keiner der sofort daran glaubt die Welt geht unter, nur weil einer einen blöden antisemitischen Witz gemacht hat. Ich bin der Ansicht man sollte praktisch über alles Witze machen dürfen. Nur wenn sollte es dann halt auch wirklich ein “Witz” sein, von mir aus auch einfach mit stark schwarzem Humor. Bloß einfach ein Meme posten mit “Hey Rassismus ist geil” ist für mich kein Joke und ich sehe solche Dinge in letzter Zeit leider immer öfters. Einige wollen Memes natürlich auch einfach als Deckmantel für ihre Ideologie benutzen und davon bin ich gar kein Freund.  

Fazit: 

Ich mag Memes wie ihr seht nicht nur weil sie lustig sind, sondern auch weil sie viel über unsere Gesellschaft aussagen. Sei dies nun im Guten oder Negativen. Sie sind ein Blick in die menschliche Seele und geben wieder was es heißt Mensch zu sein. Denn egal aus welcher Kultur jemand stammt, fast alle können sich darauf einigen, wie dieses eine Bild perfekt die eigene Erfahrung reflektiert. Besonders muss ich hierbei an das vielleicht am meisten benutze Meme von allen denken, wo ein Typ mit seiner Freundin an einer anderen Frau vorbeigeht, und sich dann nach ihr umdreht. Es ist einfach Teil des Menschseins, niemals mit dem zufrieden zu sein, was man hat, sondern immer auch Ausschau nach anderen Dingen zu halten.  

So das war dann jetzt eines der Themen, welches mir seit langer Zeit unter den Fingernägeln brannte und auch einer der Gründe dafür war, meinen Blog wiederzubeleben. Ich merke jetzt aber auch wieder wie viel Arbeit ein Artikel in dieser Länge mit sich bringt, weswegen ich jedem der einen schönen Kommentar dalässt nur sagen kann: 

 

 

 

 

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