Vor einiger Zeit bekam ist Lust mal wieder ältere Serien aufzuholen. Die erste davon, über die ich heute sprechen möchte, ist Texhnolyze. ZakuAbumi hatte mir die Serie sicher schon 10x nahegelegt und jetzt habe ich sie also endlich gesehen. Im Nachhinein ist mir nun auch wirklich klar, wieso speziell er die Serie so sehr mag. Sie passt irgendwie einfach perfekt in das Bild was ich von ihm habe und wie er sich immer gibt. Vorweg sage ich gleich ich halte mich mit spoilern nicht zurück, denn die Serie ist schon alt und die meisten werden sie sicherlich kennen oder einfach gar kein Interesse daran haben.
Show don’t tell
Mein erster Eindruck zu der Serie war sehr positiv und nicht ganz was ich erwartet hatte. Ich ging davon aus Texhnolyze ist einer dieser tiefgründigen Anime, wo ständig mega viel geredet wird. Solche Serien sind dann immer schwer zu verdauen, besonders da man auf Untertitel angewiesen ist. Für mich einer der Hauptgründe viele Animes schon ewig vor mir herzuschieben. Texhnolyzes erste Folge hatte dann aber einfach so gut wie gar keinen Dialog und ich fand das wirklich verdammt cool gemacht. Ich liebe es wirklich über alles, wenn ein Film oder eine Serie einem einfach Dinge zeigt, ohne es ewig erklären zu müssen. Es macht die Sache dann einfach spannender, weil man selbst dazu angehalten ist genau aufzupassen und seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Das ganze nennt sich „Show, don’t tell“ und besonders Animes verwenden diese Technik leider viel zu selten, da in diesem medium gerne mal an Animationen gespart wird. Talking heads sind natürlich viel einfacher zu animieren, als wenn wirklich Dinge passieren. Darüber hinaus zeigt ein solches Vorgehen auch sofort hier wird eine ältere Zielgruppe erwartet, die nicht alles vorgekaut bekommen muss und dazu in der Lage ist, mitzudenken.
Charaktere
Auch im weiteren Verlauf der Serie wurde diese Taktik beibehalten und Dialoge waren eher rar gesät. Ich habe echt das Gefühl würde man alle Szenen aneinanderreihen, in denen der Maincharakter redet, würde das Ganze vielleicht 30 Minuten lang gehen. Dies lässt einem dann mehr Zeit die sehr gute Atmosphäre der Serie in sich aufzunehmen. Es wirkt wirklich manchmal weniger so als wäre der Protagonist der Mittelpunkt der Serie oder seiner Welt, sondern nur ein kleines unbedeutendes Teil davon. Der wirkliche Maincharakter ist schon fast eher die Stadt, in der er sich aufhält. Ich gehe stark davon aus das ist auch genau der Eindruck, den die Serie vermitteln soll, da immer wieder die Rede von der „voice of the city“ ist. Die Stadt selbst ist in Texhnolyze also wirklich ein eigener Charakter und alle anderen halten sich einfach nur dort auf. Passend dazu gibt es Ran, die aus meiner Sicht die Personifikation der Stadt darstellt. Dieser Charakter redet sogar noch weniger als Ichise und ist trotzdem so essenziell für die Serie. Am Ende erfährt der Zuschauer auch sie ist die voice of the city, die man selbst aber nie hören durfte.
Für mich war dies wirklich ein ziemlich interessanter Twist undzwar sogar auf mehreren Ebenen. Zum einen war ich mir die ganze Zeit über nicht mal sicher, ob die voice of the city überhaupt echt war oder nur in den Köpfen der Leute, die meinten sie hören zu können. Ich meine technisch gesehen war es sicher auch nur eine Stimme in deren Köpfen, aber sie hatte halt jedenfalls wirklich einen realen Urpsrung. In der Serie sieht man ja nur wie Leute das Telefon abnehmen und dann meinen etwas gehört zu haben. Ich glaube sogar Oonishi könnte der Einzige in der Serie sein, der das überhaupt macht, aber ich bin mir da grad nicht 100 % sicher. Jedenfalls wirkte es die ganze Zeit über schon immer sehr verdächtig. Besonders wenn er seine Sekretärin fragt, ob sie die Stimme auch hört und sie dies verneint. Zu dem Zeitpunkt wirkte es halt wirklich so als würde er einfach Stimmen in seinem Kopf hören und sie für real halten. Praktisch wie es einige religiöse Fanatiker tun. Ziemlich sicher darauf sollte auch angespielt werden, da Ran ja quasi sowas wie eine Göttin in der Serie ist und er ihre Stimme als Stimme der Stadt wahrnimmt. Zusätzlich war es aber auch ein Twist für mich, weil Ran die ganze Serie über extrem passiv wirkt. Sie hilft zwar Ichise, aber mit ihrer Fähigkeit die Zukunft zu sehen, könnte sie sicherlich so viel mehr tun. Im Nachhinein weiß man dann, sie hat jedenfalls minimal versucht Einfluss zu nehmen.

Ein weiterer wichtiger und sehr interessanter Charakter war Yoshii. Wenn Ran in der Serie Gott darstellt, dann wäre Yoshii definitiv der Teufel und auch dies war eigentlich ein echt krasser Twist für mich. Zu Beginn dachte ich sogar schon fast er wäre mehr der Protagonist als Ichise. Zu Beginn wirkt es so, als würde er mit Ran zusammenarbeiten. Später sieht man dann aber, dass sein Ziel es eigentlich ist Chaos in der Stadt zu stiften und die verschiedenen Parteien gegeneinander aufzuwiegeln. Eine meiner Lieblingsfolgen war wo er sich mit der Prostituierten trifft und es erst so wirkt, als wollte er ihr wirklich helfen. Doch am Ende bringt er sie und ihren Zuhälter um. Zweiteres hatte ich sogar kommen sehen, aber dass er sie auch killt, war echt ein Twist und zeigt dann sofort, dass es sich hier eigentlich um einen Antagonisten handelt.
Die Serie ist allgemein einfach gut darin Charaktere zu zeigen, wo oft unklar ist in welche Schublade man sie stecken soll. Ich weiß zum Beispiel auch weiterhin nicht was ich von der weiblichen Wissenschafterlin halten soll, die dem Maincharakter zu Beginn seine Texhnolyzes verpasst. Weil sie hilft ihm zwar, jedoch ganz sicher nicht aus Güte heraus, sondern weil sie davon träumt ihre Technik zu perfektionieren und auch weil sie definitiv horny für ihn ist. Irgendwie mochte ich sie deswegen auch einfach nicht, weil ich keine Ahnung habe, was ich über sie denken soll.
Story
Und wenn ich schon bei Dingen bin, wo ich nicht ganz weiß was ich davon halten soll. Ich plane schon einige Zeit diesen Artikel zu machen und wollte meinen neuen Blog auch damit starten. Jedoch wirkt es einfach schwierig etwas zur Story der Serie zu sagen, obwohl diese doch eigentlich ein wichtiges Thema sein sollte. Ich glaube ein Großteil hat damit zutun, das gefühlt 50 % der Story einfach bewusst oder auch unbewusst im Kopf des Zuschauers abläuft, weil es so wenig Dialoge in der Serie gibt und sehr vieles einfach komplett vage bleibt. Ich wette würde man 10 Leute nach dem gucken der Serie eine Zusammenfassung schreiben lassen, würden dabei echt verschiedene Sachen herauskommen. Wie zum Beispiel meine Interpretation davon wie Ran als Gott und Yoshii als der Teufel um die Seele der Stadt spielen. Ich bin mir absolut sicher einige würden mir hier komplett widersprechen oder nicht einmal auf die Idee kommen es so zu betrachten. Speziell weil es ja am Ende noch den quasi Final Boss der Serie gibt und die Frage wäre wie dieser dort reinfällt. Meine ganz ehrliche Anwort dazu ist ich weiß es nicht.
Ich bin ein großer Fan davon Sachen zu analysieren, doch bei dieser Serie ist es wirklich schwer. In einer Serie wie Paranoia Agent konnte ich z.b. alles rekonstruieren, wenn auch erst bei einem Rewatch. Nur dort erhält man halt auch viel mehr Informationen über alles und muss diese nur zusammenbauen. Bei Texhnolyze bekommt der Zuschauer jedoch nur sehr wenig Infos. Klar ist es gibt verschiedene Fraktionen innerhalb der Stadt, die verschiedene Dinge wollen und am Ende bricht ein Krieg zwischen ihnen aus. Würde mich jetzt aber einer fragen, wie dieser endet, wüsste ich nicht einmal eine echte Antwort darauf. Am Ende sterben praktisch einfach alle wichtigen Charaktere und nur Ichise bleibt zurück, der aber sowieso eher ein passiver Protagonist ist. Ich nehme mal an das Chaos hat einach gewonnen und die Menschheit verloren, weil im Krieg gewinnt sowieso niemals jemand wirklich, oder sowas. Ich glaube ich müsste die Serie wirklich noch mindestens einmal rewatchen, um wirklich hinter alles zu steigen. Ob dies nun eine gute oder schlechte Sache ist, möchte ich nicht entscheiden müssen, ohne die Story überhaupt vollends verstanden zu haben.
Was ich aber mal erwähnen muss, ist wie tragisch ich das Ende der Serie fand. Weil wie gesagt am Ende sind praktisch alle tod und besonders bei Ran hat mich das echt hart getroffen. Es gibt halt kein happy End wo der Maincharakter den Villain besiegt und das girl rettet. Die Serie vermittelt allgemein eine sehr negative Sicht auf die Welt und ich glaube das könnte ein Grund dafür sein, dass ZakuAbumi sie so sehr mag.
Mensch vs. Maschine
Rede ich nun noch etwas über das Hauptthema der Serie. Ich hörte öfters die Serie würde Themen ansprechen, die ihrer Zeit weit vorraus waren und damit weiterhin sehr aktuell wären. Dies alleine ist schon wieder ein weiterer Grund dafür, warum viele Leute eine unterschiedliche Meinung über den Inhalt der Serie haben könnten. Denn je nachdem wann jemand die Serie sieht, könnte er dessen Inhalt anders für sich auf seine heutige Zeit projizieren. Ich sah die Serie zu einer Zeit, wo alles über künstliche Intelligenz redet und stelle deshalb natürlich Vergleiche damit an. Eines der Hauptthemen der Serie ist der Umgang der Menschheit mit neuer Technologie. Daher ja auch der Name Texhnolyze, was in dieser Welt neue technische Modifikationen des menschlichen Körpers darstellen. So besitzt der Maincharakter einen Robo Arm und ein Robo Bein. Anders als in einer Serie wie Full Metal Alchemist bringt diese Modifikationen aber noch mehr mit sich, als einfach das Ersetzen von Körperteilen. Denn wie dem Zuschauer oft genug gezeigt wird, sieht jemand mit Texhnolyze die Welt komplett anders, als ohne. So sieht Ichise ständig Smybole in seinem Sichtfeld aufploppen, die ihn zu Beginn komplett verwirren. Am Anfang hieß es nur man gewöhnt sich mit der Zeit daran und nimmt sie irgendwann gar nicht mehr wirklich war. Ich kann wirklich verstehen, wie der Main am Anfang komplett durchdreht wegen dem stuff, weil das dauerhaft vor den Augen zu haben, muss wirklich anstrengend sein.

Später geht es dann darum was der beste Weg ist mit dieser neuen Technologie umzugehen. So gibt es eine Fraktion innerhalb der Stadt, die Texhnolyze absolut verteufeln und dagegen vorgehen. Für sie muss der Mensch rein von solch einer Modifikation bleiben. Interessanterweise kommt am Ende dann ja heraus ihr Anführer besitzt ebenso Texhnolyze. Auf der anderen Seite haben wir Kamata, für die Menschen die mit Texhnolyze ausgerüstet sind der nächste Schritt der menschlichen Evolution darstellen. Der Maincharakter wird in jedem Fall stärker und fähiger durch seine Texhnolyze und kann es alleine mit mehreren bewaffneten Feinden aufnehmen. Für sie ist die neue Technologie ein weiteres Mittel für die Menschheit voranzukommen und besser zu werden. Sie träumt von Mensch und Texhnolyze als perfekte Einheit und versucht dies durch Ichise zu erreichen.
Den dritten Weg stellt der Villain der Serie dar. Dieser geht noch einen Schritt weiter und will den Menschen eher zum Sklaven der Technologie machen. Er zerstört die menschlichen Körper seiner untergebenen komplett und ersetzt sie durch groteske Roboter, dessen Design meiner Meinung nach mit purer Absicht extrem unpraktisch sind. Die Serie will definitiv klarmachen, dass beide extreme Wege falsch sind. Das verteufeln neuer Technologie ist übertrieben und wie man am Ende sieht, haben sie sowieso einen Anführer, der selbst darauf zurückgreift. Den Menschen komplett der Technologie zu unterwerfen ist aber ebeneso falsch und wird extra brutal und wenig lebenswürdig dargestellt. Viel eher sollte ein Mittelweg gefunden werden, wo der Mensch die neue Technologie benutzt, um sein Leben besser zu machen und Probleme damit zu lösen. So wie zum Beispiel verlorene Gliedmaßen zu ersetzen. Ich glaube jedem der das ließt ist klar, wie sehr sich dies auf künstliche Intelligenz beziehen lässt.
Kritikpunkte
Das war jetzt bisher alles ziemlich positiv aber leider läuft nicht alles ideal an der Serie. Ich denke mein größter Kritikpunkt wären die mangeldhaften bis fehlenden Animationen, besonders in Actionszenen. Man könnte es wohl auch minimalistisch nennen. Hauptsächlich versucht die Serie ja auch eher weniger auf coole Actionszenen mit krassen Animationen zu setzen, sondern baut lieber auf subtiles storytelling und Atmosphäre auf. Trotzdem ist es halt etwas schade, wenn sie build up für einen Fight machen, der dann fast nur aus Standbildern besteht. Ich sage nicht die Serie hat gar keine gut animierten Szenen, aber einige Stellen waren wirklich sehr minimalistisch. Die Serie will halt an einigen Stellen wirklich gute Actionszenen liefern und schafft dies dann leider nicht immer. Bessere Animationen hätten der Serie echt noch etwas mehr Pep gegeben und wären eine nette Abewechslung zu den langsameren Szenen. Gerade am Ende, wenn viel Action vor sich geht, fielen die Limitation einfach stark auf.
Mein zweiter Kritikpunkt ist etwas was ich schon weiter vorne erwähnt hatte, nämlich die wenigen Dialoge der Serie. Ja ich mag es die Serie ist nicht einfach nonstop talking heads, doch driftet sie dann schon gefährlich nah an das andere Extreme heran. Ich war halt echt invested in die Story und die Charaktere und hätte gerne mehr über sie erfahren. Ich hätte mir einfach noch ein bisschen mehr lore und backround gewünscht. Von mir aus hätten sie das ja auch außerhalb von Dialogen tun können.
Der letzte Punkt ist das pacing der Serie. Gerade zu Beginn bewegt sich alles rasend schnell und darum fand ich Folge 1 auch so verdammt gut. Auch gegen Ende passieren eigentlich viel zu viele Dinge und alles eskaliert vollkommen. Die Mitte ist aber ziemlich zäh und slow. Ich glaube weniger Folgen hätten der Serie echt gut getan oder aber sie hätten die Zeit lieber genutzt noch Rückblicke der Charaktere zu zeigen.
Fazit:

Texhnolyze ist ein dunkler und dystopischer Anime mit dichter Atmosphäre, Charakteren die sich nicht immer klar eingrenzen lassen und einem sehr deprimierenden Ende. Es ist nicht immer einfach mit der Handlung mitzukommen und es wirkt klar wie ein Anime für ein älteres Puplikum. Das Thema der Serie ist damals wie heute aktuell und zeugt von einer gewissen Weitsicht des Autors. Mich konnte die Serie größtenteils gut unterhalten und meine einzigen Kritikpunkte sind praktisch nur ich wollte gerne mehr über die Charktere und ihre Welt erfahren. Es ist zwar ein gemütlicher Anime jedoch keiner, wo man sein Hirn ausschalten und sich von bunten Farben berieseln lassen kann. Mitdenken wird einfach vorrausgesetzt, um überhaupt etwas von der Handlung mitzubekommen. Dies hat ganz klar seine Vor- und Nachteile und wird einigen Zuschauern mehr liegen als anderen. Hätte die Serie ein besseres Pacing und höheres Animationsnieveau könnte sie wirklich ganz oben mitspielen. So bleibt die Serie leider hinter Sachen wie Paranoia Agent zurück und ich finde 7/10 Punkte insgesamt sind ziemlich fair.
So und jemand der die Serie schon 3x gesehen hat darf nun gerne in den Kommentaren meine idiotische Idee von Gut und Böse zerlegen und mir sagen, warum ich komplett falsch damit liege. Ich bitte auch wirklich darum, weil ich mir wie gesagt ziemlich sicher bin, jeder wird seine ganz eigene Interpretation der Serie für sich gefunden haben.
