Ich war schon immer ein riesiger Fan von turn based RPGs. Eines der aller ersten Video Games, was ich jemals gespielt habe, war eine Demo von Final Fantasy 7. Leider gibt es heute aber kaum noch solche Spiele und die Final Fantasy Reihe hat sich schon lange davon entfernt. Irgendwie schienen sich einfach alle einig zu sein das Genre sei tot und niemand will so etwas mehr. Aus dem Grund habe ich extra schon alte Spiele ausgegraben, die ich nie gespielt habe, wie Etrian Odyssey und Paper Mario. Etrian Odyssey würde finde ich auch noch einen eigenen Artikel verdienen, aber erst wenn ich Teil 3 davon durchhabe, wo ja jeder sagt das soll der beste der Reihe sein. Jedenfalls hörte ich dann natürlich auch vom Expedition 33 Hype, wo jeder sagte es gäbe endlich mal wieder ein anständiges neues turn based RPG, welches sich auch hart an alten Teilen des Genres orientieren würde.
Aus diesem Grund stand für mich fest das Game muss ich früher oder später auch austesten, um zu checken ob stimmt was jeder darüber erzählt. Nun habe ich das Game also beendet und halte es an der Zeit meine Meinung darüber abzugeben, als jemand der extrem viele Spiele in dem Genre gespielt hat und deswegen sehr viel Vergleichsmaterial hat. Ist das Game wirklich so gut oder einfach nur overhyped von Leuten, die sonst nichts von dem Genre kennen? Vorweg wer keine Spoiler zum Game lesen will sollte hier lieber aufhören und kann notfalls runterscrollen bis zum Fazit. Ich halte es bei dem Spiel auf jeden Fall für enorm wichtig über die Story zu sprechen.
Der Anfang
Mein erster Eindruck vom Game war sehr ernüchternd. Ich weiß für einige war der Start vielleicht ein cooler Twist, aber ich sah ihn halt schon zu stark kommen und hatte dann erst Angst hoffentlich besteht ein Großteil vom Hype nicht nur deswegen. Das world building rund um die Gommage und die Expeditionen war jedoch ziemlich cool gemacht. Ich mag wie die Charaktere damit umgehen, weil es für sie einfach selbstverständlich ist. Sie machen keine wirklich große Sache daraus, wie einfach mal über 100 Leute sterben wegen der Gommage. Für die Menschen in der Welt ist es halt etwas völlig normales, was zum Leben dazu gehört. Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch oh man ich kann nicht abwarten, bis es mehr coole lore zu dieser Welt gibt. Leider musste ich aber später feststellen das war quasi schon das gesamte world building…
Ich liebe aber wie man kurz danach praktisch direkt auf ein Schlachtfeld geworfen wird, wo erstmal die ganze Expedition verreckt. Man bleibt als einziger übrig und darf endlich mal echte Gegner bekämpfen. Ich habe das Game natürlich auf hard mode gespielt und damit war jeder Gegner im early Game eine echte Herausforderung. Das interessante an dem Gameplay ist man wartet nicht nur bis der Gegner mit seinem Zug fertig ist, sondern kann jedem Move vom Gegner ausweichen, um zero Schaden zu nehmen oder ihn sogar kontern, um dem Gegner stattdessen Schaden zuzufügen. Im Hard mode wird auch vom Spieler erwartet er nutzt dieses Feature sofort, denn sonst hat man eigentlich kaum eine Chance. Damit fühlt sich jeder Kampf fordernd an und passte perfekt dazu wie man verzweifelt versucht in dieser feindlichen Welt voller Tod irgendwie zu überleben. Dieses Feeling dauerhaft gefordert zu werden behält das Spiel auch wirklich bis zum Ende bei, was ich sehr klasse finde.

Weniger Klasse fand ich jedoch, wie es nach kurzer Zeit schon schwer wurde das Game noch wirklich ernstzunehmen. Damit komme ich dann auch zur ersten Kritik für das Game. Der Ton ist leider alles andere als konsistent. Zu Beginn verrecken links und rechts Leute und der Main will sich aus Verzweiflung sogar umbringen. Alles wirkt gegen einen zu sein und man hat dauerhaft Angst draufzugehen bei jedem Gegner. Dann kann man sich aber etwas freier auf der Weltkarte bewegen und findet dort einen Ort, um Minigames zu spielen für Swimsuit Skins? Ähm okay. Sowas ist jetzt nicht ungewöhnlich für RPGs auch mit ernsten Stories, aber eigentlich erwarte ich sowas nicht direkt zu Beginn, wo das Spiel noch versucht bierernst, dark und depressing zu sein.
Dazu soll man dann auch noch in ein Dorf gehen, wo solche lustigen NPC Händler Leben, die sich einfach gerne kloppen. Ich fand ab da ging der Ton des Games einfach komplett den Bach runter und es hilft auch nicht die Macher haben diesen Ort einfach mit Memes vollgestopft so gut es nur ging. Da sitzt dann echt ein NPC in einem brennenden Haus und sagt das wäre okay und sowas. Ich war echt nicht der größte Fan dieser Entwicklung und der neue Char den man dort ins Team bekommt wirkte auch nicht wie sehr viel. Danach darf man dann eine Schildkröte fighten gehen, um einen Stein für einen NPC zu holen, damit dieser einen dann auf seinem Rücken übers Wasser trägt. Und ja das ist wirklich ein Satz den ich geschrieben habe und wirklich etwas das im Game passiert. Oh und nein ich sage hier jetzt nichts speziell gegen Esquie, denn Esquie ist vielleicht der beste Charakter des Games. Trotzdem wurde es ab dem Punkt aber immer schwerer das Game noch als ernstes RPG zu spielen. Ach und nach der Schildkröte soll man noch einen zweiten Stein holen…
Die Mitte
Ab Ende von Kapitel 1 stieg der Schwierigkeitsgrad dann nochmal richtig heftig an in dem Game und dann erinnerte es sich sogar wieder daran es wollte ja eigentlich dark und ernst sein. Gustavs Tod am Ende von Kapitel 1 war jedenfalls ein richtig guter Twist und eine verdammt coole cutszene. Endlich wirkte das Game wieder als wären die Charaktere in echter Gefahr. Etwas negativ fand ich trotzdem man bekommt dann sofort Verso ins Team, was einfach more edgy Gustav ist und direkt sein komplettes Gear und Moveset übernimmt. Ich verstehe warum sie das gemacht haben, weil man sonst kinda fucked wäre, wenn man auf den Char aufgebaut hat und das Game sowieso schon schwer genug ist, aber trotzdem macht es den Tod etwas fade. Jedenfalls konnte ich das Game jetzt aber wieder ernstnehmen und sie bringen einem sogar sofort noch ne neue Blockfunktion bei, um das Gameplay noch schwerer, aber auch noch interessanter zu machen.

Ab dem Zeitpunkt kann man sich durch das Schwimmen dann auch noch freier auf der Weltkarte bewegen und hat direkt einige Möglichkeiten dafür, um optionalen Content anzugehen. So etwas ist einfach immer ein Pluspunkt in RPGs und genau was mir heutzutage total fehlt, wenn es keine klassische Weltkarte mehr gibt. Hier findet man dann jedenfalls auch weniger “Joke-Content“, sondern eher optionale Bosse die sofort den Boden mit einem Wischen. Sowas finde ich auch immer sehr cool, weil dann hat man Motivation später wiederzukommen, wenn man sich stärker fühlt. Wobei man dann meist immer noch keine Chance hat.
Was mir ab diesem Zeitpunkt jedoch negativ auffiel, ist wie die Leveldesigns gefühlt immer schlechter wurden. Vielleicht war es auch eher das Problem sie wurden nicht besser, obwohl man erwartet hatte sie würden später noch besser werden. Am Anfang war es noch ganz cool es gibt immer mal geheime Wege für special Loot und extra Gegner. Leider fand ich das Leveldesign nutzt sich sehr schnell ab und irgendwann fühlt es sich nur noch wie immer das gleiche an. Man merkt einfach Leveldesign war hier weniger wichtig, sondern eher die Gegner die man darin fightet, die jedenfalls auch weiterhin sehr gut gemacht sind. Ich sage nicht die Levels wären schlecht gemacht, aber halt auch nicht sie wären gut. Sie wirken halt nur wie hier fighte diese 5 Gegner um zum nächsten Speicherpunkt zu kommen und zwischendrin gibt es dann eine Abzweigung für einen Händler. Ich weiß klassische RPGs waren meist einfach genauso, nur die hatten dafür jedenfalls interessantere Level Designs.
Als man zum Eisberg kommt dachte ich dann hey cool der Ort wirkt als wird er geil, aber die ganze Area sind dann eigentlich nur zwei Bosse und der Rest ist optional und schafft man sowieso erst im Endgame. Hier bekommt man dann auch seinen letzten spielbaren Charakter, über den ich praktisch so wenig zu sagen habe wie bei der davor. Charakterwriting ist leider ebenso keine Stärke von Expedition 33. Der Typ ist litterly nur: Nein ich helfe euch nicht und dann sagt Verso: Hey aber da kannst du Gegner fighten und dann kommt er doch mit. Ich weiß das soll lustig sein und ich find den Typen auch witzig, aber ist halt schade er ist nicht wirklich mehr als das. Gerade wo die anderen Charaktere schon so blass sind, hätte der eine tolle Abwechslung sein können.
Solche Sachen sind dann aber wieder schnell vergessen, wenn man gegen Renoir antreten darf und sofort merkt egal wieviel man sich auf den Kampf vorbereitet hat, es ist absolut niemals genug! Renoir ist mit Abstand der stärkste Boss bis tief ins Endgame hinein und ich liebe es. Hier testet das Game dann wirklich woraus der Spieler gemacht ist, und dies lässt den Kampf so episch wirken, wie er es laut Story auch sein soll.
Das Ende
Gegen Ende des Games wird das pace dann echt immer schneller und nach Renoir fightet man nur noch die 2 Axons, wo ich cool fand man darf sich aussuchen in welcher Reihenfolge man die macht. Ich fand auch geil wie stark sie die hypen und es fühlte sich endlich mal so an, als fightet man nicht einfach random Bosse. Nach Renoir konnten sie sowas halt auch nicht mehr bringen. Ist auch so schön RPG typisch gemacht, wie man erstmal eine Waffe bauen muss um die Barriere zum Final Boss zu durchbrechen.
Der Monolith war aber echt eine besonders schwache Area, weil es nur eine Aneinanderreihung früherer Umgebungen samt gleicher Gegner war. Irgendwie dauert der Ort auch viel zu lange und zögert das coole Finale nur unnötig raus. Immerhin gab es die neuen Sword Dudes die superschwer waren und wieder geile lore von früheren Expeditionen. Dazu gab es am Ende dann außerdem den vielleicht geilsten Bossfight in Gaming history. Also sobald man den refight gegen Renoir bestanden hat der wieder verdammt fordernd war.

Die Paintress wird das ganze Spiel über als der Final Boss aufgebaut und darum waren die Erwartungen natürlich hoch, wenn man sie endlich trifft. Ihr Kampf ist wirklich maximal gut inszeniert und die Musik absolut hype. Ich hatte das bisher noch nicht erwähnt aber ja der Soundtrack von dem Game ist phänomenal! Es lässt den Kampf so unfassbar episch wirken. Besonders wenn sie in der 2. Phase dann noch ihre giant Version summend, die den Himmel aufreißt und Meteore auf einen schleudert. Der Kampf ist der bis dahin auch mit Abstand schwerste im Spiel aber trotzdem immer noch fair. Ich liebe wie sie in der 3. Phase dann nur noch daliegt und einen heilt und man total schiss hat sie macht nochmal einen Angriff, weil man schon total am Ende ist. Man fühlt sich dann auch so richtig schön schlecht sie zu erledigen. Danach kommt dann die Zwischensequenz mit dem riesen Twist wo alle Leute außer Maelle und Verso sterben und man die Wahrheit über die Welt erfährt und ich fand die Stelle echt nicht besonders gut und ab hier ging die Story für mich dann endgültig den Bach runter.
Das wahre Ende
Ich fand das ganze Spiel über schon, dass der Plot nicht die größte Stärke des Games war. Ja es gab geile Stellen, aber leider wirkte es so als wären Maelle und Verso die einzigen 2 wirklichen Charaktere und die anderen 3 einfach nur mit dabei damit man verschiedene Charaktere spielen kann. Das Ende zeigt dann auch perfekt wieso, weil sie eigentlich kaum als echte Personen durchgehen. Selbst nach ihrem Tod kann Maelle sie wiederbeleben, da sie halt nur gemalte Figuren in der Bilderwelt sind. Das Game muss sich dann sogar extra noch einen Grund ausdenken, warum sie nicht einfach sofort alle Charaktere die jemals gestorben sind wiederbelebt. Für einige war das vielleicht ein geiler Twist aber für mich zerstörte es eigentlich die komplette Welt, da halt nichts wirklich echt war. Ich hatte gehofft am Ende gibt es total geile lore dazu, warum die Welt so ist wie sie ist, aber es wirkte mehr wie das Klischee von alles war einfach nur ein Traum. Wenn man es genau nimmt ist die Bildwelt ja einfach nur ein sehr langer Traum, aus dem Maelle nicht aufwachen will, weil sie in der Realität komplett fucked ist.
Nachdem man sich bereit fühlt darf man dann den real Final Boss fighten. Was heißt einfach nochmal Renoir besiegen, dieses Mal aber mit einem weniger starken Moveset for some reason. Für mich war die letzte Area leider viel zu einfach, weil ich vorher massig optionalen Content gemacht habe, da ich jedenfalls die Story der Charaktere beenden wollte, die gegen Ende dann sogar geil wurden. Dafür war der Final Boss dann irgendwie nur 1x am Zug und machte einen move der ultra leicht zu dodgen war. Ansonsten fand ich das Ende aber schon sehr geil wo man sich zwischen Maelle und Verso entscheiden muss und ich da echt 5 Minuten gesessen und überlegt habe. Ich habe Maelle Ending genommen, weil ich ihr Leben in der realen Welt für kaum lebenswert hielt. Ich liebe wie egal was man macht, man einfach ein abartig tragisches Ende bekommt. Also den Part fand ich absolut genial, selbst wenn mir der Weg dorthin weniger gefiel.

Das postgame von Expedition 33 fand ich auch sehr cool, weil es Tonnen an starker und geiler Bosse zu fighten gibt. Ein Kritikpunkt ist aber wie einige Bosse zu oft reused werden, speziell der Lampenboss. Trotzdem darf man hier nun endlich voll Gebrauch des genialen Charakterbuilding Systems von 33 machen, wo man so viele verschiedene Builds mit verschiedenen Waffen und Bonuseffekten machen kann und die Charaktere am Ende komplett broken sein können, wo sie mehrfach am Zug sind und Millionen Damage jede Runde raushauen. Das tolle ist halt die Gegner sind dann auch stark genug, wo man wirklich gezwungen ist solche builds zu machen. Der ultimative Secret Boss am Ende war Simon, wo ich sagen muss das war wirklich der beste Kampf im gesamten Game und wohl auch einer der coolsten Bosse ever made. Egal wie bereit man sich fühlt, der Typ ist einfach niemals leicht. Besonders weil er in seiner 3. Phase einfach dein komplettes Team aus dem Spiel wirft und du mit den 2 anderen weitermachen musst. Deswegen war er auch leider der einzige Boss im Game den ich nicht auf hard mode schaffen konnte, weil ich nicht alle meine chars min maxed hatte und auch keine Lust hatte nochmal 20 Stunden reinzustecken das zu ändern.
Nun habe ich also einiges an negativen wie positiven zu dem game gesagt und es war mir auch wichtig beides ausgiebig zu erwähnen. Wie bewerte ist das Game aber abschließend und ist es jetzt so gut wie alle sagen?
Fazit
Expedition 33 ist das Game, was sich jeder Fan von rundenbasierten RPGs die letzten 10 Jahre über gewünscht hat. Das Gameplay könnte das Beste sein, was man überhaupt im Genre finden kann. Die Musik ist meiner Meinung nach sogar die beste, die man überhaupt finden kann. Verso und Maelle sind sehr geile und tiefgründige Charaktere und haben verdammt gute Interaktionen miteinander. Das Spiel bietet Unmengen an Content und man ist eigentlich fast nie gezwungen langweilig irgendwo Items oder XP zu grinden. Also ja, das Game ist wirklich so gut wie jeder sagt. Ich habe genug Kritik für das Spiel, aber das ist alles meckern auf hohem Niveau, wenn ich ganz ehrlich bin. Die positiven Seiten überwiegen einfach massiv und dann kümmern einen diese Kritikpunkte beim Spielen echt kaum noch. Trotzdem kann es darum für mich aber kein perfektes game sein und erhält 9/10 Punkte.
